Übersetzung / Translation
von / by Walter A. Aue



William Blake:

To see a world
in a grain of sand

To see a world in a grain of sand
And a heaven in a wild flower,
Hold infinity in the palm of your hand
and eternity in an hour.



This the the starting quatrain of a long poem called Auguries of Innocence. Not an immortal poem, perhaps, but with immortal first four lines. W. B. Yeats thought so, too: if my information is correct, he gave this stanza a special place of honor when he published the poems of William Blake.

Four lines are too small? Yes, just as a grain of sand. Four lines are too short? Yes, just like an hour...




I wrote so much on the left side — after all, a poem speaks for itself, but a translation may need to be justified — that the left side is left looking empty. May I fill it with a few images of wild flowers? I took all but one of these photographs in Nova Scotia near our house, but you are welcome to put these flowers in a vase on your very own table. And use their power to enter a different world...












If you like to see more of such photographs from here, try my Flickr Flower Set. And if you are interested in images combined with the spoken word, try Pictures with Poems.



William Blake:

Eine Welt zu sehn
in dem Körnchen Sand

Eine Welt zu sehn in dem Körnchen Sand,
einen Himmel in wilder Blume:
Halt' Unendlichkeiten in deiner Hand
in der Ewigkeit einer Stunde.



Dieser Vierzeiler ist der Beginn eines viel längeren Werkes, Auguries of Innocence (Vorzeichen der Unschuld). Wenn meine Information stimmt, hat kein geringerer als W. B. Yeats beim Herausgeben der Gedichte Blakes gemeint, diese unvergleichliche Strophe verdiene ihren eigenen Platz. Wer könnte Fehl daran finden?

Sie meinen, sie wäre zu klein? Ja, so klein wie ein Körnchen Sand. Sie meinen, sie wäre zu kurz? Ja, so kurz wie eine Stunde...




Dieses Gedicht sei über ein mystisches Erlebnis und möglicherweise auch über Dichtung, aber sicher nicht über den Herbst, meinen Sie? Unzweifelhaft. Aber ich mag auch Gedichte über Gedichte. Es gibt viel zu wenige davon.

Sie wollen aber eines oder zwei hören, um vergleichen zu können? Bitte sehr, bitte gleich: Ein Gedicht über das Gedicht von Franz Kießling und über die holde Dichtkunst von Eugenio Montale.

Noch welche? Hab' ich eigentlich nicht. Aber wenn ich so meine kleine Webseite ansehe, finde ich doch ein paar die sich - cum grano salis und unter Nachlaß aller Taxen - möglicherweise mit Dichtung, Gedichten und Dichtern beschäftigen. Halt so ein kleiner, alphabetischer Ausflug durch das weite Land der Seele:

Margaret Atwood: Siren Song

Wilhelm Busch: Verzeihlich

Emily Dickinson: This is My Letter
und Tell All the Truth

Maria von Ebner-Eschenbach: Ein kleines Lied

Joseph von Eichendorff: Wünschelrute
und Isegrimm

und, last but not least, ein altes Wienerlied: Das hat ka Goethe gschrieb'n.





Später (September 2009)

Herr Martin Wisser hat unlängst freundlicherweise meine Übersetzung dieses hochberühmten Vierzeilers von William Blake in seinen Blog gestellt, mit dem Hinweis daß - Leben hin, Leben her - ihm eben solches mehr am Herzen liege als, z.B., Blakes "London". Wer würde dem nicht herzlicherweise zustimmen?

Wenn so etwas Nettes vor sich geht, lese ich mir im Abendrot meine alten Übersetzungen wieder einmal durch. Und sehe mit Entsetzen, wie sie stolpern, wie sie vom Wege abkommen, wie sie mir nicht mehr in die Augen sehen und als Gedichte begegnen wollen. Und dann versuche ich wieder einmal — obgleich ich es besser weiß, oder zumindestens besser wissen sollte — den Kontakt mit ihnen aufzunehmen und ihnen da und dort die alten Wunden zuzuschminken.

Naja, und dieser Vierzeiler ist halt auch so ein Paradefall dieser verflixten "einfachsten" Gedichte, dieser reinsten Lyrik, an deren Übersetzung ich am augenfälligsten gescheitert bin. Was dem Gedicht höchste Qualität (und mir das Gegenteil) attestiert.

Schauen Sie, schauen Sie: Ich schreib jetzt einfach und ganz ohne Kommentar andere Versionen herein. Dann dürfen sich die Literaten damit herumschlagen. Und, wenn Sie und ich Glück haben, finden Sie in der einen oder anderen Strophe doch den nur Ihnen eigenen Gleichklang mit diesem unvergleichlichen Original. Das, dem reinen Inhalt nach, eigentlich schon ein Englisch-Erstklassler hätte übersetzen können...




Eine Welt zu sehn in dem Körnchen Sand,
einen Himmel in wilder Blume:
Halt' Unendlichkeit in der off'nen Hand
und die Ewigkeit einer Stunde.




Eine Welt zu sehn in dem Körnchen Sand
und den Himmel in einer Blume
hält' die Ewigkeit in der off'nen Hand
für immer in einer Stunde.




Die Welt zu sehn in dem Körnchen Sand,
in der Blume des Himmels Kunde:
Unendlichkeit fällt in deine Hand
in der Ewigkeit einer Stunde.




Eine Welt zu sehn in einem Körnchen Sand
und einen Himmel in der Blume Kunde
hält die Unendlichkeit in deiner Hand
und all die Ewigkeit in einer Stunde.




Eine Welt zu sehn in einem Korn von Sand
und Himmel sehn in einer Blume Rund:
Halt' die Unendlichkeit in deiner Hand
und alle Ewigkeit in einer Stund!



und so weiter und so fort, immer weiter fort und immer ärger...


...



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First posted: October 2006
Last updated: June 2011

N.B.: The frame around the poems
shows the blossom of a mock orange.

Want to see the original photograph?























































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