O Autumn, laden with fruit, and stained
With the blood of the grape, pass not, but sit
Beneath my shady roof; there thou may'st rest,
And tune thy jolly voice to my fresh pipe,
And all the daughters of the year shall dance!
Sing now the lusty song of fruits and flowers.
"The narrow bud opens her beauties to
The sun, and love runs in her thrilling veins;
Blossoms hang round the brows of Morning, and
Flourish down the bright cheek of modest Eve,
Till clust'ring Summer breaks forth into singing,
And feather'd clouds strew flowers round her head.
"The spirits of the air live on the smells
Of fruit; and Joy, with pinions light, roves round
The gardens, or sits singing in the trees."
Thus sang the jolly Autumn as he sat;
Then rose, girded himself, and o'er the bleak
Hills fled from our sight; but left his golden load.
William Blake, 1757-1827
Zofia K. Aue: Lusty Song
Before the Sixties, William Blake was "one of the most forgotten" poets, painters, printmakers and (literally in his case) visionaries. His contemporaries (e.g. Wordsworth) thought him "mad". What a fitting word! Sure it made his blood boil to see London Society straying so far from his Songs of Innocence...
But madness - in the sense of insanity, which is really meant here - is surely a relative term. William Blake and London Society were diametrically opposed in whom they considered sane and whom insane. Relatively speaking, I favor poor old Blake's side of the argument. But then, my choice of times were the Sixties. A time of choice for humans...
For, oh Lord, what would we "normal" humans do without the "mad" ones Thou hast put in our midst?
You think I am crazy? No, just mad sometimes. But certainly not at you. On the contrary. But, just in case, why don't you check up on me - which really means on Blake - at Wikipedia, on the William Blake Archive, or interactively with the Tate Museum in London (a city that Blake never left and that never left him).
William Blake:
Der Herbst
Oh Herbst, früchtebeladen, beträuft
mit der Rebe Blut: Bleib hier und sitze
im Schatten bei mir, gönn Dir die Rast!
Dann stimm' Dein lustvoll Lied zu meiner Pfeif'
und lad' des Jahres Töchter all zum Tanz:
Sing uns das Lied der Lust von Frucht und Blüten!
"Die enge Knospe öffnet ihre Schönheiten
der Sonne zu, und Liebe pulst in ihrem Blut;
Blüten verzier'n des Morgens Lider und
träufeln hinab der keuschen Eva Wangen -
bis einend der Gesang erschallt des Sommers
und Federwölkchen ihr die Stirn bekränzen.
Der Lüfte Geister leben in dem Duft
der Frucht, und leichtbeschwingte Freude schwebt
durch alle Gärten, oder singt vom Baum."
So sang der frohe Herbst auf seiner Rast,
stand auf dann, gürtet sich, und über düst're Hügel
entfloh - doch ließ uns gold'ne Fracht.
Ich mag William Blake. Nicht nur, weil er von den mehr als hundert Dichtern auf diesen Seiten die höchste Besucherquote hat.
Was ich an Blake mag, ist seine kindliche Unschuld. Und, damit verbunden, seine ursprüngliche Erfindungskraft. (Übrigens, was Blake am meisten an Jesus Christus - im Unterschied zu "Seiner" Kirche! - angezogen hat, war dessen "Kreativität".)
William Blake ist - nein, war - eine der 'vergessensten' Persönlichkeiten unter den Dichtern, Malern, Druckern und Mystikern. Bis sich die Sechzigerjahre die Freiheit nahmen, auch ein bißchen so zu denken. Und ihn als unangreifbares Vorbild zur Verteidigung heranzuziehen (bis die Eltern wieder mal Geld schickten).
Seine Zeitgenossen hielten Blake für "mad", für verrückt. Übrigens, 'verrückt' ist ein gutes Wort dafür. Die Gesellschaft und Blake waren auseinandergerückt. Wer von wem wegrückte, wer ver-rückt wurde? Was glauben Sie denn? Sehen Sie, William Blake und die Gesellschaft um ihn herum hatten da auch ganz verschiedene Meinungen. Ver-rueckt sein ist halt was Relatives, räumlich oder zeitlich...
Mehr darüber? Je nun, die Gedichte sprechen doch für sich. Und sehr freizügig. (War ich im übrigen auch beim Übersetzen. Nicht nur mit dem Versmaß...)
Aber bitte: Hier ist etwas von Wikipedia. Und dann gibt's da das William Blake Archive und Interaktives vom Tate Museum in London (eine Stadt, die William Blake praktisch nie verließ - naja, wie die Emily Dickinson halt Amherst, Mass). Auch so eine Ver-rückte...
Wenn wir Normalmenschen diese Verrückten nicht hätten, die uns immer wieder zurechtrücken...
...
William Blake:
The Garden of Love
I went to the Garden of Love,
And saw what I never had seen;
A Chapel was built in the midst,
Where I used to play on the green.
And the gates of this Chapel were shut
And "Thou shalt not," writ over the door;
So I turned to the Garden of Love
That so many sweet flowers bore.
And I saw it was filled with graves,
And tombstones where flowers should be;
And priests in black gowns were walking their rounds,
And binding with briars my joys and desires.
(Written, etched, printed and illuminated by William Blake)
William Blake: Malevolence
William Blake: Proverbs of Hell
cf.e.g.: "He who desires and acts not,
breeds pestilence."
William Blake: Hekate (Detail)
William Blake:
Der Garten der Liebe
Ich begab mich zum Garten der Liebe
und sah, was noch nie ich gesehn:
Eine Kirche erricht' in der Mitte,
wo ich pflegte spielen zu gehn.
Und die Pforte der Kirch' war verschlossen
und "Du Sollst Nicht" graviert überm Tor:
So ging ich zum Garten der Liebe,
wo Blumen blühten zuvor.
Und ich sah ihn gefüllt mit Gräbern
und statt Blumen Grabsteine nur,
wo schwarze Pastoren, dem Rundgang verschworen,
mit Dornzweigen fangen mein Lust und Verlangen.
Dieses Gedicht ist aus Blakes illustriertem 1794 Zyklus "Songs of Experience" ("Lieder der Erfahrung", d.h. Lieder, die das Leben zeigen, wie es wirklich ist; im Vergleich zu seinen "Songs of Innocence", "Lieder der Unschuld", die das Leben darstellen, wie es wirklich sein sollte).
Als ich heute Blakes "Herbst" auf seinen "Garten der Liebe" häufte - ich find' die rotumrandende Blume aus unserem Garten (siehe weiter unten) passt beiden - da fand ich doch noch ein paar "freie" Bilder von William Blake bei Wikipedia Commons. So ganz stimmt der Zusammenhang nicht, geb' ich zu, aber ein bißchen vermitteln sie doch die Stimmung, links und rechts, von Blake dem Drucker, Dichter, Maler und Mystiker...
O rose thou art sick,
The invisible worm,
That flies in the night
In the howling storm
Has found out thy bed
Of crimson joy:
And his dark secret love
Does thy life destroy.
William Blake:
Die kranke Rose
Oh Ros', du bist krank!
Der heimliche Wurm,
der da fliegt in der Nacht,
im heulenden Sturm,
hat gefunden dein Bett
von Wonne rot:
sein schwarzheimlich Lieben
bringt dir den Tod!
Herr Martin Wisser hat kürzlich einen Blog ins Internet gestellt, der sich dankenswert mit William Blake befaßt und mit dessen "Sick Rose" beginnt, aber keine Übersetzung ins Deutsche miteinschließt. Ich dachte, ich könnte eine bei Emily Ezust finden (meiner Zuflucht in solchen Fällen, und welch' besuchenswerte Zuflucht!), aber dort fand ich nur heraus, daß, wenn ich mich nicht irrte, gezählte 47 Komponisten dieses Gedicht vertonten! Das verstehe ich, aber warum war kein Deutsch dabei? Naja, und jetzt verstehen Sie, werter Leser, charmante Leserin, warum ich mein Sylvesterversprechen für die schöne, erkrankte Rose brach...