Translations / Übersetzungen
by / von Walter A. Aue




William Blake:

A Poison Tree

I was angry with my friend:
I told my wrath, my wrath did end.
I was angry with my foe:
I told it not, my wrath did grow.

And I water'd it in fears,
Night & morning with my tears;
And I sunned it with my smiles
And with soft deceitful wiles.

And it grew both day and night,
Till it bore an apple bright;
And my foe beheld it shine,
And he knew that it was mine,

And into my garden stole
When the night had veil'd the pole:
In the morning, glad, I see
My foe outstretch'd beneath the tree.




William Blake:

Der Giftbaum

Ich war zornig auf den Freund;
sagt' es ihm: mein Zorn verblich.
Ich war zornig auf den Feind;
schwieg: mein Zorn vermehrte sich.

Nächtens, Morgens, furchtverseucht,
hielt ich ihn mit Tränen feucht,
sonnte ihn im Lächeln mein
und mischt' List und Trug darein.

Und er wuchs bei Tag und Nacht,
hat den Apfel mir erbracht,
bis mein Feind, verlockt vom Glanz
(wissend, er gehört mir ganz)

sich in meinen Garten stahl,
als verhüllt der Sterne Strahl:
Morgens seh ich, mit Vergnügen,
meinen Feind am Giftbaum liegen.



Das Gedicht klingt schlimmer als es ist. Blake war ein Moralist, aber sonst ein guter Mensch. Und wie es schon so ist mit guten Menschen und guten Gedichten, keiner weiß so recht, was damit gemeint ist. Ist der Apfel wirklich der vom Baum der Erkenntnis? Dann wäre ja der Erzähler des Gedichtes Gott selbst, der den Baum wachsen ließ! Na, besser nicht.

Besser das Gedicht genießen: Weiter oben in der hohen Sprache des Verführers aus dem Paradies oder, noch besser, weiter unten in der tiefen Sprache des Volkes aus Wien. Nicht daß ich vortragen könnte, aber - "der Not gehorchend, nicht dem eig'nen Triebe" - habe ich meine Wiener Audio mp3-Version (224KB) zum Mitlesen bereitgestellt:




William Blake:

Da Giftbahm

Hob an Tsuan ghobt auf mein Schpehdsi;
Hob eams gsogt: Des woahs, faschdehdsi.
Auf mein Feind hobihan Tsuan;
Hob nigs gsogd: Iss gressa wuan.

Zihdad hohwi, blahdsd dadsua,
Fia des Wahssan inda Fruah;
Nocha howi freindlich glochd,
Dahss eam hintafodsich mochd.

Gwochsn is mei Tsuan dafoh
Und an Ohpfe drohgda schoh,
Und mei Feind, dea siacht eam glentsn:
Wahs, ssiss meina, und tuat trentsn.

Inda Nochd, wias finsta woa,
Schleichda in mein Goatn goa.
Inda Frua, mid fü Fagnühgn,
Sihchin untan Giftbahm lihgn.



N.B.: The frame around the poems
shows a dying tulip
Want to see the original photograph?




...



Further poems by William Blake
Weitere Gedichte von William Blake

Back to Translation Page

Back to Home Page

Posted: January 2005























































  Blake visitors (not visits) since December 1st, 2006