Translation / Übersetzung
by / von Walter A. Aue



William Blake:

The Tyger

Tyger Tyger, burning bright,
In the forests of the night;
What immortal hand or eye,
Could frame thy fearful symmetry?

In what distant deeps or skies
Burnt the fire of thine eyes?
On what wings dare he aspire?
What the hand, dare sieze the fire?

And what shoulder & what art,
Could twist the sinews of thy heart?
And when thy heart began to beat,
What dread hand? & what dread feet?

What the hammer? What the chain,
In what furnace was thy brain?
What the anvil? What dread grasp,
Dare its deadly terrors clasp!

When the stars threw down their spears
And water'd heaven with their tears:
Did he smile his work to see?
Did he who made the Lamb make thee?

Tyger Tyger, burning bright,
In the forests of the night;
What immortal hand or eye,
Dare frame thy fearful symmetry?




Plaster Cast of William Blake
by James S. Deville


(Poem, printing and illumination by William Blake)




Compare the symbol of the forge with its use in A Divine Image and London, and check the tiger's counterpart, The Lamb.



SOME VISILINKS






William Blake:

Der Tiger

Tiger, Tiger, Feuerspracht
in der Dschungeln dunkler Nacht:
Welches Aug', welch' ew'ge Hand
formten Deiner Schrecken Brand?

In welch' Himmeln ungeheuer
brannte Deiner Augen Feuer?
Wessen Flügel, wessen Hand
wagte sich an diesen Brand?

Welcher Schulter Können wand
Deines Herzens Sehnenstrang?
Wer, als Herzens Schlag begann,
furchtbar Hand und Fuß ersann?

Welche Kett' und Hammer fand
in welch' Esse den Verstand?
Welcher Amboß, welche Welt
Deine Todesschrecken hält?

Als der Sterne Speer herab
Tränen unserm Himmel gab:
Hat vollbracht er's und bedacht,
daß er Lamm und Dich gemacht?

Tiger, Tiger, Feuerspracht
in der Dschungeln dunkler Nacht:
Welches Auge, welche Hand
wagten Deines Schreckens Brand?



Normalerweise halte ich mich ja zurück beim Interpretieren. Wenn's ohne nicht ankommt, ist sowieso Hopfen und Malz verloren. Und schließlich muß einem ein Gedicht einleuchten und nicht notwendigerweise eingehen.

Aber diesmal, nur so (wie Thomas Hardy sagen würde) kann ich's nicht lassen. Denn die vorletzte Strophe hat's ja wirklich in sich.

Da ist einmal der unerklärte (unerklärbare?) Widerspruch der monotheistischen Religionen - wie kann ein allgütiger/allwissender/allmächtiger Gott eine Welt der Schmerzen und Schrecken schaffen? - der das Leitmotiv der Gegenüberstellung von Blakes "Songs of "Innocence" (1789) mit seinen "Songs of Experience" (1794) sein könnte. Die Welt der Unschuld gegen die Welt der Erfahrung. Aber an letztere haben wir uns ja mehr oder minder schon gewöhnt.

Dann gehört natürlich auch der Engelssturz hierher (mit Speeren und Tränen und Sternen, wie man sie zum Beispiel bei Milton findet - glaube ich wenigstens). Alles schon dagewesen.

Aber - und nun kommt's - als ich die Zeilen las

"When the stars threw down their spears
And water'd heaven with their tears"

schien es mir, als würde uns der Mystiker Blake hier wissenschaftliche Theorien über das Entstehen des Lebens auf unserer Erde vorsetzen. Denn eine immer noch quicklebendige wissenschaftliche Theorie besagt, daß Leben (oder Grundsubstanzen des Lebens) aus dem All importiert wurden, zum Beispiel im Eis von Kometen. Das ist (im wesentlichen) die berühmt-berüchtigte Panspermia Theorie von Svante Arrhenius. (Vertrauen Sie mir, der Hinweis stimmt: Ich habe zufälligerweise den gleichen Beruf - wenn auch nicht die gleiche Berufung - wie der Chemienobelpreisträger des Jahres 1903.)

Na, und weil wir schon bei Kometen sind: Da gibt es eine neue Theorie, die die dauernde Bombardierung der Erde von (normalerweise unsichtbaren) Eiskörnern mit dem Entstehen der Meere (und damit mit dem Entstehen des Lebens) verbindet. Die gefrorenen Tränenspeere der Kometen, also, die vom Himmel auf (für) uns herunterkommen…

Schon gut, ich bin ja schon still. Ich kann halt das Fachsimpeln nicht lassen. Und Fachsimpeln ist ja auch was Schönes, oder?



Nachtrag, Dezember 2011


Da bin ich doch unlängst um drei Ecken herum auf eine sehr schöne Übersetzung gestoßen, die mir bei der ersten Ecke entgangen war. Sie wird in einem Blog namens Silvae zitiert. Dort können Sie auch versuchen, den Autor herauszufinden: Die Auswahl ist groß und die Geschichte lesenswert.

Die zweite Ecke? Ja, die fand ich in einem sehr interessanten Blog über Blake.

Sie sehen, die Ecken hängen alle irgendwo zusammen. Das kommt davon, wenn man die "six degrees of separation" kybernetisch reduziert und statt Genen Memen einführt.

Aber eines muß ich doch noch sagen, schon weil ich durch diese fesselnden Blogs wieder einmal mit Blake konfrontiert wurde. Jedesmal, beim Lesen oder Sehen, kann ich nur bewundern, wie Blake aus dem vollem Kessel des Kind-Seins zu schöpfen imstande ist. Seine ist eine Welt des Herzens, des unvoreingenommenen Urteils, des unbeschränkten Erfindungsreichtums, der kindlichen Phantasie, der offenen Seele. Die Kritiker, die ihn der Irrationalität bezichtigten, hatten natürlich recht von ihrem Standpunkt dürrer Rationalität und gesellschaftsangepassten Benehmens. Aber uns hat Blake mehr hinterlassen als sie alle zusammen.


...



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For a sterling translation by Alexander von Bernus,
click Blake in the list of Gedichtepool's Authors.

P.S: Want to see how Blake himself drew his Tyger?
(This WebLink gets you to the original
handcolored print in the Tate.)

N.B.: The tiles around the poems shows maple trees and
spruces in fall behind our house (digitally spruced up).
Want to see the original photograph?

First posted: December 2004
Last updated: December 2011






















































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