I started Early - Took my Dog -
And visited the Sea -
The Mermaids in the Basement
Came out to look at me -
And Frigates - in the Upper Floor
Extended Hempen Hands -
Presuming Me to be a Mouse -
Aground - upon the Sands -
But no Man moved Me - till the Tide
Went past my simple Shoe -
And past my Apron - and my Belt
And past my Bodice - too -
And made as He would eat me up -
As wholly as a Dew
Upon a Dandelion's Sleeve -
And then - I started - too -
And He - He followed - close behind -
I felt His Silver Heel
Upon my Ankle - Then my Shoes
Would overflow with Pearl -
Until We met the Solid Town -
No One He seemed to know
And bowing - with a Mighty look -
At me - The Sea withdrew -
Compare Emily Dickinson's poem, "I never saw a Moor - I never saw the Sea"; and for further Acadinfo on this (and other) of her poems, check the excellent site of Modern American Poetry.
But how do I tell that to my child? PBS-style, of course:
Emily Dickinson:
Ich ging schon Früh -
Pfiff meinem Hund -
Ich ging schon Früh - Pfiff meinem Hund -
und wanderte zum Meer -
Die Nixen aus dem Erdgeschoß
die schauten, kamen her - -
Fregatten - aus dem Oberstock
die boten hanf'ne Hand -
sie sah'n mich wohl als eine Maus -
gestrandet - auf dem Sand -
Doch kein Mann rührt' Mich - bis der Schwall
am simpeln Schuh vorbei -
vorbei an Schürze - Gürtel dann -
griff mir ans Mieder - frei -
und tat, als wollt Er mich verzehr'n -
wie einen Tropfen Tau
am Büchs'chen eines Löwenzahns -
und dann - begann ich - auch -
und Er - Er folgte - nah an Mir -
Ich fühlt' den Silber Fuß
auf meinem Knöchel - dann mein Schuh
verging im Perlenfluß -
bis wir die feste Stadt erreicht:
Er kannt von Ihr kein Stück.
Verneigend - mächtig noch Sein Aug -
zog sich das Meer zurück -
ALL-DEUTSCHER DIABLOG:
Ich weiß nicht, wie es Ihnen erscheint, aber für mich ist dieses Gedicht eine der vollkommensten - und scheinbar so simpeln - Versverbindungen von menschlicher Natur, Symbolen, Mythen, Archetypen und, ja, Romantik. "Romantik"? Nun ja, sagen wir halt von den alles vor sich herschwemmenden Wellen und Welten der Sinne.
Sie zweifeln? Ich soll Sie überzeugen? Je nun, wie sag' ich's meinem Kinde? Vielleicht mit Hilfe eines Videos? Von einer Autorität jenseits aller Zweifel, einer Autorität, der Sie von Sesame Street an vertrauten?
Schockierend, sagen Sie? Und das Gedicht hätte nicht einmal einen Titel? Das ist bei Emily Dickinson (praktisch) immer so!
Aber warum Emily keine Titel verwendete? Es wäre Ihnen schwer auf die Nerven gegangen, daß Emily (oder daß man/frau später) ihren Gedichten keine Titel gab? Weil man/frau doch dann nie so richtig weiß...
Richtig. Und wenn sich ein Titel in meiner kleinen Sammlung findet, dann war das allein MEIN Tun und nur so als Spaß gemeint. Als SPASZ! Denn jeder Titel engt ein. Und verändert.
Emily Dickinson veröffentlichte nicht - aber sie sandte viele ihrer Gedichte an Freunde und Bekannte. Und paßte ungeniert ihre Gedichte der Gelegenheit an. Wie Mozart seine Musik an Auftraggeber und InterpretInnen (vor allem schöne Soprane!). Und doch ist etwas daraus geworden, das die Zeit überlebte und an dem ein anderer keine Note ändern könnte, ohne es zu zerstören. Aber Emilys wirklicher Grund für ihre Titellosigkeit war, glaube ich, ein anderer - persönlich wie poetisch.
Wie schon angedeutet, Titel sind akademisch: klassifizierend, definierend, beschreibend. Sie könnten die Dichterin und das Gedicht leicht ersticken. Besonders wenn es, wie bei Dickinson, dem Suprarationalen und Vieldeutigen entspringt. Dem Herz, den Gonaden oder, zumindestens, der rechten Gehirnhälfte.
Wie bitte? ICH sollte doch einmal diesem Gedicht einen Titel geben? Kann ich doch nicht, verehrter Leser, charmante Leserin! Um ehrlich zu sein, nur Sie können das. Es muß ja für Sie stimmen, nicht wahr. Nicht für mich. Für mich - als Übersetzer, nicht als Bewunderer! - geht das nur im ausgesprochenen Spaß.
Aber weil Sie es sind, meine Gnädige: Suchen Sie sich doch einmal IHREN Titel aus:
Das Mädchen und das Meer
In der Brandung
Küstensex
Sex and the City
MeeresVerkehr
Gefährliche Pfade
Der stürmische Geliebte
Verführung
Im Meer der Leidenschaft
The Sexist Ocean
The Dilemma of Feminism
Todessehnsucht
Der Gang ins Wasser
Die See, der Tod und die Liebe
Wo liegt der Hund begraben?
Des Meeres sind der Liebe Wellen
Die Seele ist ein weiter Strand
Die feste Stadt am Meer
Sie können's nicht mehr aushalten? Ich soll aufhören? Bitte sehr. Aber vorher muß ich noch Grillparzer, Schnitzler und Storm (von wegen der geschändeten letzten drei Titel) um Vergebung bitten.
Und von wegen diesem "begrabenen" Hund (war es Carlo, der geliebte Kamerad Emilys, der, wie sie sagt, so groß war wie sie selber? und der an äußerst exponierter Stelle im Gedicht steht, um dann, geheimnisvollerweise und gegen alle Regeln der Poetik, nie mehr aufzuscheinen?) - - und über den Sie sich so sehr aufregen, verehrte gnädige Frau! - - ja, von wegen diesem Hundling muß ich Ihnen halt ein Stück Acadinfo zum "Beweis" überreichen. Übrigens, die ausgezeichnete Stelle, an der man solche Acadinfo bekommt, ist Modern American Poetry. Und weil ich gerade bei Acadinfo bin (einem Neologismus von mir, tschuidign scho), jeder andere Titel wäre durch akademische Essays (z.B. diese) genauso leicht zu belegen. Glauben Sie's mir oder klicken Sie's selber!
Schauen Sie (wie man in Wien sagt), man kann zwar ein Musikstück (iss eh ollas dehsöhwe!) mit einer Lebenserfahrung oder einem Geschichtsereignis in Zusammenhang bringen. Man kann das sogar zur Programmusik zuspitzen. Aber dabei wird man leicht aufgespießt - und viel Herzblut vertrocknet ungeliebt! Der Mondschein von Beethovens Klaviersonate No. 14 ist trügerisch. Ganz abgesehen davon, daß die gebrochenen cis-Moll Akkorde des Anfangs eben gebrochen sind und, im übrigen, eine Homage an und ein Zitat nach Mozart darstellen. Glauben meine steinernen Ohren jedenfalls.
Alsdann, wie der Wiener sagt (eigentlich sagt er: O'isdaun!), wollen wir es nicht doch bei
"Ich ging schon Früh -
Pfiff meinem Hund -"
belassen? Und das Gedicht als das Vielfältige erfühlen, das es wirklich ist, mein äußerst verehrter Leser, meine überaus charmante Leserin? (Und das, ich geb's zu, sagt jetzt einiges über MICH aus...)
Aber nichts Gutes, meinen Sie? Ich hätte Sie angeschwindelt? Und die Emily hätte auch? Aber warum denn?
Ach so. Sie erinnerten sich an ein anderes DickinsonGedicht:"I never saw a Moor - I never saw the Sea" ("Ich sah noch nie ein Moor - ich sah noch nie das Meer"). Ja, wie soll ich diese Kurve jetzt noch kriegen?
Versuchen wir's einmal so: Lesen Sie sich doch
das andere Gedicht nochmals durch. Emily spricht von einem "Punkt", der für sie "die Himmelsstätte" wäre. Ich habe den Punkt sogar - immer im Spaß natürlich! - zum Titel ernannt und dann ein bißchen über seine Rolle in der mittelalterlichen Mystik spekuliert. Und - aber das vertraue ich nur Ihnen an! - damals beim Übersetzen fiel mir ja gar nicht auf, welchen "Punkt" und welche "Himmelsstätte" Emily gemeint haben könnte... Naja, vielleicht kommen Sie einmal dazu, die Gedichte der christlichen Mystikerinnen mit mächtigem Auge zu lesen? Oder auch über die Möglichkeit nachzudenken, daß geistliche und weltliche Liebe die gleichen Neuronenpfade benützen könnten?
Davon einmal ganz abgesehen, dasz Emily Dickinson in Amherst, Massachusetts geboren wurde, dort im gleichen Hause starb und in der Zwischenzeit kaum je Amherst verließ. Und Amherst ist über hundert Kilometer von der Atlantikküste entfernt. Vielleicht hätte ich noch einen Titel hinzufügen sollen,
Träumerei?
Oder, wenn Ihnen Rilke lieber ist als Schumann,
So laß ich mich zu träumen gehn...
Denn das alte Klischee zu wiederholen, daß die Person des Gedichtes und die Person der Dichterin nicht identisch zu sein brauchen, das getraue ich mich ja einer so versierten Leserin wie Ihnen nicht anzubieten...