Translations / Übersetzungen
by / von Walter A. Aue



Emily Dickinson:

Wild Nights! - Wild Nights!

Wild nights - wild nights!
Were I with thee
Wild nights should be
Our luxury!

Futile the winds
To a heart in port -
Done with the compass,
Done with the chart!

Rowing in Eden -
Ah, the sea!
Might I moor
Tonight in thee!



This is most likely the version with which you are familiar. Dickinson's original poem was not available in published form until late in the 20th century, when her original manuscripts became available.


Emily Dickinson: "Wild Nights"
(original manuscript, from Wikisource)


Below you will find this version printed with all its enigmatic and magic punctuation. Or so one hopes. Compare, if you dare...



Emily Dickinson:

Sturmnacht! - Sturmnacht!

Sturmnacht! - Sturmnacht!
Wär ich bei Dir,
Sturmnächte wären
Unser Pläsier!

Harmlos die Stürme
Dem Herzen im Port -
Wirf Deinen Kompaß
Und Karten fort!

Rudernd in Eden -
Meer bist Du mir!
Lasse zur Nacht mich
Ankern in Dir!


...


Emily Dickinson:

Wild Nights! - Wild Nights!

Wild Nights — Wild Nights!
Were I with thee
Wild Nights should be
Our luxury!

Futile — the Winds —
To a Heart in port —
Done with the Compass —
Done with the Chart!

Rowing in Eden —
Ah, the Sea!
Might I but moor — Tonight —
In Thee!




Hieronymus Bosch (1450-1516):
The Garden of Eden
(Detail)




The poem is a cri de coeur, a cry from the heart, a charging wave of unbridled passion. Considering Dickinson's life, circumstances and time, this is most astonishing, even if Wild Nights (and practically all her other poems) remained unpublished in her lifetime.

I may be forgiven if this poem reminds me of another famous one I once translated for this website, i.e., a scene from Goethe's Faust, set to music by Schubert, and known as "Gretchen am Spinnrad".

Schubert died a couple of years before Dickinson was born, but I really wish he had set some of her poems to music, particularly those about love and death. Then I would be able to truly understand them...



Emily Dickinson:

Sturmnacht! - Sturmnacht!

Sturmnacht — Sturmnacht!
Wär ich bei Dir,
Sturmnächte wären
Unser Pläsier!

Machtlos — die Stürme —
Dem Herzen im Port —
Wirf' deinen Kompaß
Und Karten fort!

Rudernd in Eden —
Ozean mir!
Dürft ich nur ankern — heut' Nacht —
In Dir!




Das Lesen des Gedichtes in seiner ursprünglichen Form (siehe die Handschrift Emily Dickinsons links oben) hat mich an eine meiner früheren Übersetzungen erinnert, die von Goethe/Schuberts Gretchen am Spinnrad. Wie Axel Munthe in seinem "Buch von San Michele" schrieb (wenn ich mich recht an die Literatur meiner Jugend erinnere) hat es für ihn keinen ergreifenderen "Aufschrei der Leidenschaft" gegeben als dieses Schubert Lied.

In einem meiner Tagträume vertont Franz Schubert ein Gedicht von Emily Dickinson — wenn Er länger gelebt, Sie noch während ihres Lebens im Druck erschienen und beide voneinander gewußt hätten — denn dann könnte ich vielleicht Emily Dickinson wirklich verstehen — Sie selbst und damit auch das Geheimnis ihrer Gedankenstriche — und Sie hätte Ihm sicher geantwortet — ungleich Goethe, der Schuberts demütig bewundernde Briefe und Widmungen "nicht einmal" ignorierte — und Er hätte sich über einen Brief von Ihr doch so gefreut — und Sie hätte sich zum ersten Mal wirklich verstanden gefühlt — denn, wenn es zur Aufforderung kommt, "Was liegt darin? Erzähle!" — dann ist das Leben — nur einen Gedankenstrich lang — aber enthält — "eine ganze Seele" —

Sie sehen schon, die Sachlage ist recht kompliziert und fordert mich um einen Gedankenstrich zu viel. Wie sagt doch Johann Nepomuk Nestroy unterm (oder war das am?) Strich so schön,

"Es ist alles Schimäre —
Aber mich unterhalt's!"


...



.

...


Emily Dickinson:

Let my first Knowing
be of thee

Let my first Knowing be of thee
With morning's warming Light -
And my first Fearing, lest Unknowns
Engulph thee in the night -






Emily Dickinson:

Mein erstes Fassen
sei von Dir

Mein erstes Fassen sei von Dir,
wenn warm der Morgen lacht -
und erste Angst, dasz And'res nicht
umschlingt Dich in der Nacht -



Über Emily Dickinson's "love life" (wie die Amerikaner sagen) ist nichts bekannt. Das bleibt auch hoffentlich so. Wer alleine lebt wie sie, hat sich ein Recht darauf erworben. Und was alleine zählt, sind ihre Gedichte.

Ja, ja, ich weiß schon. Die Spekulationen. Sie spannen den Hetero-Bi-Homo-Bogen von Null bis Nachhaltig. Aber wer den versteht, versteht nicht den Regenbogen ihrer Gedichte. Und wer den Regenbogen ihrer Gedichte versteht, versteht auch die Erlösung ihrer Gefühle - und braucht nicht mehr zu fragen. Compris?


...



Other poems by Emily Dickinson

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For comparison, check Beschka Gloy's
translation of the first poem, or have a look
at a longer list of Emily Dickinson poems in German.

Vergleiche auch Gunhild Küblers 2006 Übersetzung
Sturmnächte - Sturmnächte!, zitiert in einer
Rezension von Harald Hartung.
(Emily Dickinson: Gedichte, Hanser Verlag, München)

First posted: August 2004
Last updated: January 2010

N.B.: The frame around the poems
shows eddies in a brook near our house.

Want to see the original photograph?

























































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