"Waun ea und i uns nua
im Beisl hedn droffn,
do wah ma ghokt bis in di Fruah
und hedn uns fasoffn.
"Doch aufschdoeht haums beim Kriag
uns beide genganaund:
I schias auf eam und ea auf mi -
und ea is glegn im Saund.
"I hob eam umglegd weu…
weu ea mei Gegna woa,
nua so... Mei Gegna wora schoh;
iss e kloa; owa doh…
"Ea hod si gmöht, kau sei,
nua so - grod so wia i -
ka Oaweit ghobt - sei Zeig fadraht -
des woas - fia eam und mi.
"Da Kriag is so a blehde Gschichd:
Do schiasd an zaum und schbeibst,
dem sunsd beim Wei a Viatl zoist
odahran Euro reibst."
N.B.: Der Anachronismus der letzten Zeile ist gewollt. Für Leser, die er stört, kann die Zeile leicht in, z.B., "odahran Guidn reibst" umgeändert werden. Das paßt dann besser zum Burenkrieg (das Gedicht wurde 1902 geschrieben).
Dieser Monolog findet offensichtlich in einem Wirtshaus statt. Ich habe viele Schenkendialoge nach dem zweiten Weltkrieg gehört - in Wirklichkeit waren auch sie Monologe, Apologien, Bitten um Verständnis und manchmal sogar um Vergebung, Versuche mit dem eigenen Leben zurechtzukommen, Versuche das Unfaßbare zu fassen... Ich war stets stiller Zuhörer: wie es sich gehörte und wie es meiner Jugend angemessen war. Derselbe Krieg ein paar Jahre später und ich hätte auch einen solchen Monolog gehalten - oder wäre vielleicht sein Inhalt gewesen. "Die Gnade der späten Geburt", wie man heutzutage so gerne sagt (oder "there but for the grace of God", wie's auf Englisch und weitaus weiter anwendbar heißt).
Schenkenmonologe werden nicht in Hochdeutsch abgehalten. Aber, ich weiß schon, nicht jeder kann Wiener Mundart lesen. Dazu braucht es das langsame Mitbuchstabieren der Wiener Seele, die bei ihrem Heurigen sitzt Aber weil der Heurige halt auch nicht mehr ist, was er einmal war (ein Platz zum Sinnieren, nicht zum Schunkeln) können Sie sich die Dialektfassung dazu im Wiener Audio anhören (mp3, 275KB).
Und weil nicht jeder Wiener Mundart versteht - schade, sehr schade! - habe ich, wider besseres Wissen und Gewissen, auch ins Hochdeutsche übersetzt:
Thomas Hardy:
Der Mann, den er erschoß
"Wenn er und ich gesehn
uns in der Schenke hier,
wir hätten uns zusammgesetzt,
getrunken Bier auf Bier.
"Doch als Soldaten wir
uns gegenüberstehn.
Ich schieß auf ihn und er auf mich,
da war's um ihn geschehn.
"Ich schoß ihn tot, weil…
weil er mein Gegner war,
just so: Mein Gegner war er schon…
und doch, obwohl das klar,
"vielleicht ging er zum Heer
nur so - und grad wie ich -
war arbeitslos - sein Sach verkauft -
nichts anders, sicherlich.
"Ja, seltsam ist der Krieg!
Da schießt Du einen tot,
den Du ansonst bewirtet' und
geholfen aus der Not."
PS: Aber viel wird es nicht nützen. Denn wieder ward der Krieg geboren.