Translation / Übersetzung
by / von Walter A. Aue



William Ernest Henley:

Invictus (Unconquered)

Out of the night that covers me,
Black as the Pit from pole to pole,
I thank whatever gods may be
For my unconquerable soul.

In the fell clutch of circumstance
I have not winced nor cried aloud.
Under the bludgeonings of chance
My head is bloody, but unbowed.

Beyond this place of wrath and tears
Looms but the Horror of the shade,
And yet the menace of the years
Finds, and shall find, me unafraid.

It matters not how strait the gate,
How charged with punishments the scroll,
I am the master of my fate:
I am the captain of my soul.



When Henley wrote this poem, he was lying in a hospital, where surgeons wanted to amputate his second foot (he had lost the first one to tuberculosis as a child). He fought the decision and won. Life proved him right. Isn't it amazing, how poetry interacts with life?

Well, maybe not. After all, poetry is life...

This portrait shows Henley years later:









William Ernest Henley:

Invictus (Unbezwungen)

Aus dieser Nacht, die mich umhüllt,
von Pol zu Pol schwarz wie das Grab,
dank ich welch immer Gottes Bild
die unbezwung'ne Seel mir gab.

Wenn grausam war des Lebens Fahrt,
habt ihr nie zucken, schrein mich sehn!
Des Schicksals Knüppel schlug mich hart -
mein blut'ger Kopf blieb aufrecht stehn!

Ob zornerfüllt, ob tränenvoll,
ob Jenseitsschrecken schon begann:
das Grauen meines Alters soll
mich furchtlos finden, jetzt und dann.

Was kümmert's, daß der Himmel fern
und daß von Straf' mein Buch erzähl',
ICH bin der Herr von meinem Stern,
ICH bin der Meister meiner Seel'!



Henley lag, als er dieses Gedicht schrieb, in einem Spital, in dem ihm die Ärzte seinen zweiten (tuberkulösen) Fuß amputieren wollten und er sich dagegen wehrte.

Sein Gedicht findet sich in Anthologien, ist aber erst durch die Hinrichtung von Timothy J. McVeigh (dem ehemaligen Soldaten, der ein großes Bürohaus in Oklahoma mit Hunderten Menschen in die Luft sprengte) der weiteren Öffentlichkeit bekannt geworden.

Vor ihrer Hinrichtung pflegen Verurteilte in den Vereinigten Staaten ihre "Letzte Aussage" niederzuschreiben. McVeighs "Final Statement" enthält ausschließlich den Text dieses Gedichts. Ja, darf denn ein so Schlechter ein so schönes Gedicht so gotteslästerlich mißbrauchen, schimpften da die Leute...

Was ich darüber denke? Ich denke darüber das gleiche wie Sie. Und zwei Dinge noch dazu. Ist es nicht verwunderlich, daß die Leute, die nie Gedichte lesen, am lautesten schimpfen? Und daß Poesie (eine Kunstgattung, die hier - und nicht nur hier - als weitgehend altmodisch und museumsreif gilt), eine solche Wirkung ausüben kann?

So, jetzt ist aber genug Blut geflossen...



LATER (MARCH 2010)


Nun, offensichtlich nicht. Nun gibt es den Film "Invictus" über das Leben von Nelson Mandela...


...


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First posted: April 2006
Last updated: June 2010

N.B.: The frame around the poems
shows leaves in autumn around here.

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