Please note: This is primarily a translation site, with corresponding parts arranged strictly side-by-side. But this may do grave injustice to some of this poem's unusually long lines. To read the poem in its proper format, please click here for the original or here for the translation.
Walt Whitman :
A noiseless,
patient spider
(from Leaves of Grass, 1900)
A noiseless, patient spider,
I mark’d, where, on a little
promontory, it stood, isolated;
Mark’d how, to explore the
vacant, vast surrounding,
It launch’d forth
filament, filament, filament,
out of itself;
Ever unreeling them—
ever tirelessly
speeding them.
And you, O my Soul,
where you stand,
Surrounded, surrounded,
in measureless
oceans of space,
Ceaselessly
musing, venturing, throwing,—
seeking the spheres, to connect them;
Till the bridge you will need, be form’d—
till the ductile anchor hold;
Till the gossamer thread you fling,
catch somewhere, O my Soul.
For other poems on the Net of Life in this collection, sample Emily Dickinson's inner and Wilhelm Busch's in-between webs.
Engraving by Samuel Hollyer, 1854
Walt Whitman :
Eine stille,
geduldige Spinne
(aus Leaves of Grass, 1900)
Eine stille, geduldige Spinne,
Ich merkt', wo sie stand,
ganz allein, auf dem Vorsprung;
Ich merkt', wie den verlassenen,
weiten Umkreis erforschend,
In die Leere sie schleuderte
Faden, Faden, Faden,
aus sich heraus;
Stets die Fäden entrollend —
stets, nimmermüde,
hinaus sie entlassend.
Und Du, meine Seele,
wo immer Du stehst,
Umgeben, umgeben,
von den maßlosen
Meeren des Raumes,
Ohne Ermatten
sinnend, wagend, werfend, —
suchend die Spheren zu binden;
Bis die Brücke geformt, die Du brauchst —
bis der dehnbare Anker gegriffen;
Bis das hinausgeschleuderte Garn
sich irgendwo fängt, oh meine Seele.
Kein Gedicht, sagen Sie? Mea culpa, aber nicht unbedingt. Whitman klingt für Amerikaner eben anders als für Europäer. Zuviel Optimismus, zuviel Maßlosigkeit, zuviel Draußen. Die Zwischentöne, für unsere Ohren, gehen dabei verloren. Und kein Reim hilft uns hinzuhören!
Aber was braucht ein Amerikaner das? "Im ganzen Weltall fühlt sich der Yankee heimisch" beginnt eine Arie in Madam Butterfly. (Oder hat so begonnen, als in Wien noch Deutsch gesungen wurde. Aber in der Oper geht das halt manchmal nicht gut aus...)
Ist es die Seele, die da ihr Futter sucht, oder die Spinne? Dem Gedicht ist das gleich. Beides ist ja draußen. Aber wenn Sie sich da nicht so sicher sind, vergleichen Sie doch einmal die schöne Übersetzung von
Eric Boerner.
Übrigens, das Bild des Künstlers als Spinne (oder der Kunst als Spinnennetz) ist weitverbreitet, siehe zum Beispiel bei Emily Dickinson (nach innen spinnen) oder bei Wilhelm Busch (dazwischen spinnen), beide in meiner kleinen Sammlung. Sie meinen, ich spinne? Unter solchen Sternen am Poetenhimmel ist mir das wohl kaum vorzuhalten oder nachzutragen...