Übersetzungen, Kommentare und Photographien / Translations, comments and photographs von / by Walter A. Aue
(Wiener Dialekttexte aus dem Gedächtnis / Texts in Viennese dialect from memory)


WIENERLIEDER

(Hauptsächlich
Gedächtnisfragmente)



VIENNESE SONGS

(Mostly Fragments
from Memory)

...


Alexander von Biczo:
(Musik: Karl Kratzl, 1852-1904)

Das Glück
is a Vogerl

Dehs Glück is a Fohgal,
Goa liab owa scheu:
Es losd si schwea faungan,
Owa fuatgflogn is glei.

Dehs Heaz is da Kehfig,
Und schausd net dazua,
Daun hosd du auf amoi
Ka Rohsd und ka Rua.


Oder hören Sie sich das Lied in einer Aufnahme des Wiener Boheme Quartetts aus dem Jahre 1941 an.



DIABLOG VIENNOIS:
Sie stoßen sich an meiner Schreibweise? Zum Beispiel an "Fohgal" für Vogerl? Höchst verständlich. Wer hätte schon je fom "Fohgal-F" gehört? Tschuidig'n schoh, nix fia unguat! Aber lassen Sie mich doch bitte erklären:

Die Liedversion, die sie hier sehen, kommt aus meinem Gedächtnis. Das ist nichts Schlechtes. Und ist der Fall mit allen Wienerliedern auf dieser Seite.

Natürlich, ich geb' schon zu, daß mein Gedächtnis nimmer "wird wie's einmal war". Aber es ist, wie die Angelsachsen sagen, MY memory, right or wrong. Und das Wienerlied, ein Sproß der Familie Volkslied[1], wird eben vom Volk im Laufe der Zeit verändert. Das ist das ehrenvollste Schicksal für ein Gedicht und sein größter Anspruch auf Unsterblichkeit.

Aber mein wirklicher Grund ist ein anderer. Ist drei andere Gründe, um genau zu sein. (Alte Professoren finden immer DREI Gründe für alles. Nur so; nur um das Gedächtnis der Jungen im Aberglauben zu schulen!)

Der erste Grund ist, daß es (zumindestens) sieben sprachlich nachgewiesene Dialekte in Wien gibt. Mein Vater, Gott hab' ihn selig, hätte das bestritten. Er war sich sicher, Wiener nur der Sprache nach ihrem jeweiligen "Hieb" ( = Bezirk) zuteilen zu können - und Wien hat mehr als dreimal sieben Hiebe. Wer könnte mir da das Recht abstreiten, so zu sprechen, wie mir der Schnabel gewachsen ist?

Der zweite Grund ist, daß die Schreibweise "Fohgal" gar nicht so abwegig ist. Prof. Dr. Maria Hornung in ihrem autoritativen (sie war Nußdorferin and Sprachforscherin an der Universität Wien) "Wörterbuch der Wiener Mundart"[2] buchstabiert z.B. Vogerlsalat (Winterfeldsalat) als "Fógalsólód" (oder so ähnlich, je nach Ihrem Font/Akzentarchiv). Nun sagen Sie: Dürfte/könnte ich es mir mit einer Professora Emerita meiner Alma Mater anlegen, selbst wenn ich wollte? (Ich will aber wirklich nicht. Im Gegenteil, ich bin ihr höchst dankbar[3] für ihr Lebenswerk. Und so sollten es auch die Wiener und die Welt sein...)

(Seitenbemerkung zum zweiten Grund: Das Wienerische, wie spätestens Peter Wehle in einem genuß- und bildungsreichen Buch[4] publik gemacht hat, ist nicht "schlechtes Hochdeutsch, sondern die ältere Schwester der neuhochdeutschen Schriftsprache". Hochdeutsch als Flitscherl? Jedenfalls: Wienerisch ist eine etymologische Fundgrube, ein "Kuehlschrank"[4], in dem mittelalterliche Aussprachen noch immer bewahrt werden.)

Der dritte Grund dürfte allerdings kaum, und nicht einmal von Professor Hornung, auf akademische Genehmigung hoffen. Im Wienerischen, wie auch in manchen anderen Sprachen, werden Worte nicht nur in der Betonung, sondern umstandsgemäß auch in den Lauten recht unterschiedlich ausgesprochen. Wiener parlieren, zum Beispiel, in (sekundenschnell ihr Verhältnis ändernden) Amalgamen von Wienerisch und Hochdeutsch. Das stärkt die Wirkung ihrer Sprache. Und der Effekt verstärkt sich im Gedicht. Soweit ist auch gar nichts Neues daran.

Das Neue daran (glaube ich wenigstens) ist, daß ich mir erlaubt habe, diese verschiedenen Aussprachen ein wenig in die Schreibweise des Gedichtes (oder meiner Dialektübersetzungen aus dem Englischen[5]) einfließen zu lassen. Wie das "h" in "Fohgal". Weil so klingt's ja schließlich. Und so "ist's mir heut noch in Erinnerung"...

Aber warum, fragen Sie, warum hätte ich dann den Titel anders - und mit "korrektem" Vogel-V geschrieben? Ja, sehen Sie, das geht Wienern immer so. Wiener schreiben meistens anders als sie reden oder singen (oder denken - aber das steht auf einem verschwiegeneren Blatt).

Und noch einen Grund gibt's. Den erkläre ich Ihnen aber am besten mit einem "Graf Bobby - Graf Rudi" Witz.

Kommt der Graf Rudi zum Graf Bobby. Graf Bobby sitzt nur mit einer Kravatte bekleidet auf dem Sofa.

Graf Rudi: Ja, hörst Du, Graf Bobby, was sitzt Du denn da so nackert herum?
Graf Bobby: Naja, kommt ja eh niemand...
Graf Rudi: Na, und die Kravatte?
Graf Bobby: Naja, wenn vielleicht doch jemand kommt...

Und, sehen Sie, das eingedeutschte Wienerisch ist halt meine Kravatte. (Or, als Americans would say, Linus's security blanket.)

Ach so, Sie wollen das ganze Gedicht lesen? Um es besser beurteilen zu können? Sie sind mir doch ein Hundling!

(Übrigens: Beurteilen sie immer die Grazie des Seehundes danach, wie er auf dem Lande dahinwatschelt? Oder die Musik Johann Sebastian Bachs danach, wie sie verjazzt klingt? Oder die Capella Sistina danach, wie sie auf einer italienischen Postkarte aussieht?)

Aber meine Schreibe wäre doch wirklich extrem? Naja, das stimmt. Ein wahres Wort ist oft extrem (und mein Wort ist wahrer noch als wahr)!

Aber ich hätte doch mit anderen Gedichten auch...? Das ist das erste halbwegs begründete Argument, das ich von Ihnen hier höre.

Also bitte. Ich hab' mich ein bißchen im Net umgesehen. Unter anderem, weil ich mich wunderte, ob dieses Lied wirklich so wenige Zeilen hat wie mein Gedächtnis. Und: sigsdas! Hatte ich mich doch wirklich nur mehr an den Refrain erinnert!

Also bitte (und nur für Sie): Hier ist volle Text des Liedes (glaube ich, hoffe ich zumindestens). Berlinerdeutsch? Nein. Wienerdeutsch? Naja, um drei Ecken herum. Weil wir Wiener die Wahrheit zwar gerne singen, aber ungern schreiben. Zufrieden, der Herr?


[1]     Siehe, zum Beispiel, den "Lindenbaum" von Wilhelm Müller oder das "Hobellied" von Ferdinand Raimund in dieser Sammlung. Oder das "Mailüfterl" von Anton von Klesheim, das (beinahe) ein Wienerlied sein könnte.

[2]     Maria Hornung:
Wörterbuch der Wiener Mundart
ÖBV Pädogischer Verlag, Wien (1998).

[3]     Und sehr dankbar bin ich auch Meister Bertram, der von Sprache (und Liedern) viel mehr versteht als ich, und dessen E-Mail mich erst darauf aufmerksam machte, daß mein aus dem Gedächtnis zwitscherndes "Fohgal" etymologisch gar nicht so falsch singe: Das wienerische "Fohgal" - oder, ohne den Diminutiv, der Wiener "Fogl" - heißt althochdeutsch fogal, alt-englisch fugol, alt-nordisch fogl, gotisch fugls, schwedisch fågel, und so weiter. Nur im Neu(hoch)deutschen heißt's, flügelgespreizt, V..... Naja, Sie wissen schon! Dehs oahme Fohgal! De haum eam dehs Vogel-V mittn aufs Hian pickt! De haum jo an Fogl!

[4]     Peter Wehle:
Sprechen Sie Wienerisch?
Verlag Ueberreuter, Wien, Heidelberg (1980).

[5]     Siehe, zum Beispiel, den Rauchfaungkehralearling von William Blake, Dehs Hian von Emily Dickinson, Dehn a umglegt hod von Thomas Hardy oder De narrische Jane von W.B Yeats: Alles (und mehr) in dieser Sammlung!




Alexander von Biczo:
(Music: Karl Kratzl, 1852-1904)

Good luck
is a birdie

Good luck is a birdie,
so dear but so shy;
so hard to get hold of,
so easy to fly.

Your heart is the bird-cage,
so see that you care,
or you'll find no peace and
no rest anywhere.



JUST FOR A BIRDIE:

Vienna, Botanischer Garten

"Wienerlied" means "Viennese song" - does it not? Well, yes and no. Wienerlieder form a genre sui generis, a unique form of emotional expression.

If you travel - or if you just google "Vienna, Austria" - you may stumble on or over her advertising slogan, "Wien ist anders" ("Vienna is different"). There's something to it: Being Viennese means being condemned to being different.

On paper - or on the screen - "Wien" (really: "Wean") is what the Viennese call their city (from its old-Roman name "Vindobona"). But is Vienna really Wien?

Geographically, politically, touristically: Yes. Artistically, psychologically, emotionally: No. Decidedly not. Because nothing in Vienna is what it seems.

Take, for instance, the City Hall (the "Rathaus"). Here is a photograph of its central spire:


Vienna, Rathaus (City Hall)

Gothic, you say? Administratively, architecturally, touristically: Yes. Artistically, spiritually, historically: No. This is PSEUDO-Gothic writ large, built long after the real McCoy kicked his mortal coil.

And what is Vienna's City Hall best at? Tending gardens. That's right. The gardens of Vienna are magnificent:


Vienna, Stadtpark

But let's get back to the poem. Really: to the song. Because, while you keep reading it as a poem, I keep hearing it as a song.

Try to figure out whether YOUR favorite song would count as a poem to someone who was unaware of its melody (and innocent of your memories). You see?

(That's why I list both poet and composer - in that order. Without the melody, the poetry would not have made it. Without the poetry, the melody - well, who knows. The greatest art - as well as the greatest science - is synergistic: unity from diversity. In the brain they become one...)

Sentimental songs? Sure. Kitsch? Why not?

Kitsch is in the eye of the beholder. One man's uttermost Kitsch is another man's innermost sentiment (and not just sentimentality, that peculiar gushing that James Joyce denounced as "unearned emotion".)

Kitsch - the object itself - surely lifts up many more spirits than "Kitsch" - the epithet - can put down. Kitsch is lubricant for the psyche. Call it Schmaltz, if you like. (By the way, it is spelled "Schmalz" in Austria - and tastes much, much better than what's known as "lard" in the US of A.)

And ill would it behoove the Land of the pre-Raffaelites, or the Land of plastic Christmas (sorry, "Holiday") trees to hurl that epithet. Live and let live, if you don't mind...


By the way, the photographs on this page are taken from two collections, the Vienna Tourist of 2003 (with English comments) and the Vienna Spring of 2005. So is this one, from yet another park:


Vienna, Schönbrunn


...


Franz Prager:
(Melodie: Hans von Frankowski, 1888-1945)

Erst wann's
aus wird sein

Da Lehra darzöht in da fiatn Klass,
"Im Ausschdeabn begriffn is d'Weanarass.
Ma siachd des gaunz deutlich,
ma meakt des gaunz kloa,
es dauert nur mea a poa Joa."

Da Franzl, dea heat eam gaunz ruhig zua,
auf amoi, do gibts ihm hoit do ka Ruah,
Ea schbringt in de Häh,
"Hean's auf mit de Schmäh,
Hea Lehra, des tuat ahn jo wäh!

East wauns aus wiad sei
mid ana Musi und an Wei,
daun bok ma die siebn Zwetschkn ei,
ehnda net.
Waun da Wei fadiabt
und waun amoi di Musi schdiabt,
in deh mia Weana so faliabt,
iss a Gfrett.

Solaung im Glasal noh
a Drehpfal drin is,
solaung di Geign noh
foi Mehlodihn is
und solaung ois noh
a tulli gschdöhdes Mahdal doh,
do sogn mia Weana joh, hoit joh,
und foan ned oh."



Aus dem Gedächtnis, ja. Und im Vorstadtwienerisch geschrieben. Denn schließlich ist dies ein "Heurigenlied" - und die Wiener Heurigen finden sich jenen Vorstädten, die einmal selbstständige Weindörfer waren: Nußdorf, Grinzing, Sievering. Und drum herum.


St. Urban, patron saint of wine
Vienna, Grinzing

Über manch andere ist die Zeit - und ist die Stadt - hinweggeschritten. Kein schöneres Denkmal ist ihnen je gesetzt worden als Josef Weinhebers Alt-Ottakring.

(Nomen est omen, wie die alten Römer sagten, die ihre Reben einst nach Wien brachten: "Weinheber" ist ein Glasgerät, mit dem der Winzer Wein zum Verkosten aus dem Faß zieht. Und in vino veritas (im Weine liegt die Wahrheit) sagten die alten Römer auch. Aber Weinhebers Geschichte habe ich schon wo anders (und sehr, sehr vorsichtig) erzählt...)

Wie das Lied ursprünglich geschrieben wurde? Das weiß ich nicht. Aber vielleicht wie bei Wienerlieder.at. Dort finden Sie auch noch weitere Strophen und können erfahren, daß der "Weana Hamur" (Wiener Humor) "keppelt" (zankt). Und, noch besser, Sie können sich dieses alte Lied selbst anhören...



Später (Sept. 2007)

Als ich dieses Lied zuerst hier hereinstellte, waren es Bruchstücke aus dem Gedächtnis. Und ich wußte nicht, wer den Text, wer die Melodie geschrieben hatte. Also bat ich meine Leser um Hilfe. Und sie kam!

Herzlichen Dank an Herrn Professor Dr. Helmut Wenzl im fernen Deutschland, der Franz Prager, den Autor, und Hans von Frankowski, den Komponist, identifizierte - und der sich in seinem beschäftigen Leben auch die Zeit nahm, mich ihre Namen wissen zu lassen! Und der noch dazu meiner schon alzgeheimert schwankenden Erinnerung mit einer typisch wienerischen Originalphrase wieder auf die Beine half. Möge ein "tulli gschdöhdes Mahdal" es ihm beim Wein in Wien vergelten!

Übrigens: Von Franz Prager stammt auch der Peperl, der nicht plauschen soll. Und Hans Frankowski hat auch viele andere - und sehr bekannte - Wienerlieder komponiert. Frankowski starb in den Bombenangriffen auf Wien und ein Mosaik in der Neulerchenfelderstraße 39 erinnert an ihn.

Noch ein Übrigens: Ein paar Häuser weiter, Neulerchenfelderstr. 73, findet sich eine Gedenktafel an Ludwig Gruber, einen anderen großen des Wienerliedes. Und es wäre noch viel mehr über Ottakring (den 16. Wiener Gemeindebezirk, in dem sich das alles abgespielt hat) zu erzählen. Ob es davon kommt, daß Ottakring einmal ein Weindorf war?




Franz Prager:
(Melody: Hans von Frankowski, 1888-1945)

Only when
we're done

The teacher explains in the final grade:
"The race of Vienna dies out, I'm afraid.
It all is quite clear
and evident here,
it might even happen this year."

Young Franzl, he quietly listens in school,
but this he can't take, he looses his cool.
He jumps up and cries:
"Stop telling such lies!
You, Sir, bring the tears to my eyes!

Only when we're done
with music, wine and all the fun,
will come the time for us to run:
Not before!
When the wine decays
and nothing of the music stays,
that's been Vienna's pride and praise:
Grief galore!

As long as as in the glass
a drop of wine is,
and in the violin
a tune divine is,
and while near us sit
some pretty girls, amply fit,
we Viennese say, 'Hey, that's it!'
and will not quit!"



What a "Wienerlied", a "Viennese Song" really is? Am I talking Mozart or Beethoven or Schubert or Brahms? No, not really. Although Franz Schubert's Der Lindenbaum became a folk song, as did Brahms's Wiegenlied (Lullaby).

If you look up the definition of "Wienerlied" on the Internet, you'll get something like "folk songs sung in Viennese dialect, often performed by strolling musicians (vocals, accordeon, violin, guitar, etc.) in drinking establishments". Well, except for the Viennese dialect, that almost fits the beloved mariachi of Mexico. Or, for that matter, many other musical groups that express the sentiments of common folk all over the world.

So, no, definitions don't do much good. Hearing those songs - on location, mind you, and not too touristy, either - is the only way they will work. That or, even better, growing up in their atmosphere. Where you imbibe them with your mother's milk and, later, with the wine at the Heurigen.

Definitions are but drops of dried-up blood - i.e., scabs of rust and various organics in different stages of decay - rather than the living heartbeat of instant, intuitive recognition.

Not that we understand what goes on - but, surely, some process of resonance with deeper layers of consciousness must be at work here. Is it buried personal memory; is it reference to long-forgotten tribal archetypes? The result, in any case, is obvious: A surprisingly strong emotional echo. And it is because of this echo that the old Wienerlieder still exist.

None of that resonance, I am sorry to say, could I ever convey to you. What I can give you is merely a faint echo. A translation rarely gets close to the real thing, and it certainly won't do so in the case of a Wienerlied. But please understand: translators translate as much for their own pleasure as for that of others ...


Später (Jan. 2008)

Talking of resonance: That Wienerlied has made it on YouTube, with as authentic vocals (Mizzi Starecek and Rudi Hermann) as they come. Thanks, Vulcanswork!




...


Ernst Arnold und Artur Kaps
(Musik: Ernst Arnold):

Wenn der Herrgott
net will

Die Welt ist so schön und die Welt ist so reich,
Doch ist halt das Leben für alle nicht gleich.
Es geht durcheinander, es ist kunterbunt
Und doch ist die bucklige Welt kugelrund.
Ein jeder Mensch hofft, und ein jeder Mensch strebt,
Doch viele sind da, die umsonst nur gelebt,
Was nützt alles Denken, es gibt nur den Schluß,
Es kommt schließlich alles, wie kommen es muß:

Waun da Heagott net wü, nutsd des goa nix,
Schrei net um, bleib schön stumm, sog es woa nix.
So woas imma, so bleibt es für ewige Zeit:
Amoi obn, amoi unt, amoi Freid, amoi Leid.
Waun da Heagott net wü, nutsd des goa nix,
Sei net bös, net nervös, sog es woa nix.
Renn nua net fazweihfed und kopflos herum,
Weu da Heagott wahs imma, warum.

Das Leben hat mir eine Lehre geschenkt:
Es kommt immer anders, als man es sich denkt.
Drum soll man nie sagen, es muß und ich will!
Der Herrgott entscheidet - und du halte still!
Sei immer zufrieden mit deinem Geschick,
Beneide nicht immer die andern um's Glück.
Wie schnell kann es anders oft sein über Nacht:
Das Ende wird immer von oben gemacht!

Waun da Heagott net wü, nutsd des goa nix,
Schrei net um, bleib schön stumm, sog es woa nix.
So woas imma, so bleibt es für ewige Zeit:
Amoi obn, amoi unt, amoi Freid, amoi Leid.
Waun da Heagott net wü, nutsd des goa nix,
Sei net bös, net nervös, sog es woa nix.
Renn nua net fazweihfed und kopflos herum,
Weu da Heagott wahs imma, warum.



Hohes Deutsch in den Strophen, tiefes Wienerisch im Refrain? Was soll das für ein Wienerlied sein?

Ein schönes. Und ein effektvolles.

Aber nichts für ungut, ich zitiere den Refrain halt schon wieder einmal aus dem Gedächtnis. "S'ist mir heut' noch in Erinn'rung, als ob's gestern g'wesen wär..."

Sie meinen, das Original hätte bestimmt anders ausgeschaut? Zweifelsohne, charmante Leserin. Dafür werd ich auch die erste Zeile auf zwei Arten schreiben. Einmal für die Wiener Leser, einmal für die Suchmaschinen. Schizophrenoid, sagen Sie? Ja, natürlich, echt wienerisch! Das wollten Sie doch, oder?

Aber wenn Sie einen historischeren Text suchen, versuchen Sie's doch einmal bei Wienerlieder.at.


Und welche Bilder von Wien soll ich Ihnen dazu zeigen? Weil zeigen muß ich: Hätte ich sonst meine zwei Photographiesammlungen, Vienna Tourist 2003 und Vienna Spring 2005, ins Netz gestellt? Vom Schwarzen Fiaker ganz zu schweigen..

Versuchen wir's einmal mit ein paar Bildern von Wiener Kirchen. Ein bißchen passt's ja dazu. Und vielleicht schreibt sich's der Herrgott in Sein Goldenes Buch, im Wiener Dialekt natürlich,

... fia de Schdund, wauni mei ledsdes Glasal owischdess, den ledsden Dudla ausselohs und a Bankl reiss. Wohs? Nojo, hoit wauni ohgrots, wauni de Bodschn aufschdöh, waunima d'Eadapfehn fon untn auschauh. Naa? No immma net? Na hoit wauni hahmgeh, faschdengans?

Noch immer nicht? Dann muß ich's halt ins "Geistliche" übersetzen:

..."für jetzt und die Stunde meines Absterbens. Amen."

Ahmen, sohgi!



Wien, Jesuitenkirche, Orgel
Vienna, Church of the Jesuites



Wien, Minoritenkirche, Madonna
Vienna, Church of the Minorites



Ernst Arnold und Artur Kaps
(Musik: Ernst Arnold):

If the Lord
disagrees

The world is so fair and the world is so great,
But not ev'ryone meets a similar fate;
The world's topsy-turvy, it's colors abound,
yet this world, though bumpy, is perfectly round.
And each person hopes, and each person strives,
Yet many have lived for a trifle their lives.
What good is all thinking? You can only trust
That all of this happens as happen it must:

If the Lord disagrees, you won't make it:
Don't complain, just abstain, don't you fake it!
Thus it was, thus it will be - there's nothing that's new:
Once you're up, once you're down; once you're blithe, once you're blue.
If the Lord disagrees, you can't make it:
Don't be sad, don't be mad, never fake it!
Just stop running around without hope, without rest,
For the Good Lord knows always the best!

I did learn a lesson or two from my life:
Things turn other ways than the way that you strive,
And therefore don't claim that you must and you will!
The Good Lord decides, so you better hold still.
Be always content with whatever's in store,
Don't envy the others who seem to have more,
For things can change fast, and they change overnight:
In the end He decides - away from your sight!

If the Lord disagrees, you won't make it:
Don't complain, just abstain, never stake it!
Thus it was, thus it will be - there's nothing that's new:
Once you're up, once you're down; once you're blithe, once you're blue.
If the Lord disagrees, you can't make it:
Don't be sad, don't be mad, don't you fake it!
Just stop running around without hope, without rest,
For the Good Lord knows always the best!



A simple prosody, you say? Well, not quite so simple, this modified, usually 2+2 dactylic. But I would rather characterize it as a lilting waltz of sorts, in three-quarter time, anyway, 1-2-3, 1-2-3... Remember, this is Vienna...

But if you have real trouble reading my dialect refrain, or if its beat isn't clear, try a more conventional version. Or, best, listen to Hans Moser singing and winging it on YouTube:



Or, for a more recent interpretation, to Herbert Prikopa with the Old Vienna Schrammelquartett:





What photographs to show? Because show them I want. Why would I otherwise have put my two image series, Vienna Tourist (2003, with comments) and Vienna Spring (2005) on the Net?

So I'll give you a few pictures of Viennese churches. And may the Good Lord put them in His big Golden Book under my name...



Wien, Augustinerkirche
Vienna, Church of the Augustines



Wien, Stefanskirche, Pilgram Kanzel
Vienna, St. Stephen's Cathedral



Canova: The grieving lion
Vienna, Augustinerkirche


...


Franz Prager
(Musik: Viktor Korzhé):

Geh Peperl,
plausch net!

S'diaft dea Dog east gwesn sei,
Mia woan grohd wo auf an Wei,
D'Schrammeln und dehs Weanaliad
Haum uns widarum fafiad.
In da lehdsdn Blauen daun
Faungt mei Freind zan Raundsn aun,
Dahs min Weanaliad fuabei.
No, I foa eam driwa glei:

Geh, Päppal, plausch net,
S'is jo ned woa;
Solaung ois mia san,
Is no ka Gfoa,
Und hauns uns eine,
Daun in de Gruam,
Singan scho wihda
Unsahre Buam!

Bitt ma den Heagott,
Hoit uns de Dahm!
Daun foin de Apferln
Net weit vom Schtahm,
Und d'Weana Musi
Und's Weana Liad
Bleibn bis si'd Wöhd
zan Drahn aufhean wiad!



Nicht ganz so leicht ins Hochdeutsche zu übersetzen? Naja, das stimmt schon. Und was ein Päppal (Peperl oder Pepperl) sei? Eine Verkleinerungs- oder Koseform von Joseph (angeblich vom italienischen "Giuseppe" abstammend). Übrigens, ein "Pepi" ist auch ein Joseph - oder eine Josephine (z.B. die "Pepi-Tant") - oder auch eine Perücke. Gut eingeführt ist "Pepi" auch als Pferdename, daher der beliebte "Pepihocka" (der Roßfleischhauer).

Wenn Ihnen das nicht so fremd erscheint, dann sehen Sie sich doch einmal den Schwoazn Fiaka an. Was das sei? Nichts Ungewöhnliches. Einfache Dreizeiler - fast Haiku! - im Wiener Dialekt, von einem Fiaker über die Schulter zurück geplärrt, während er Sie an Wiener Sehenswürdigkeiten (naja, an Schwarz-Weiß Photographien halt) vorbeikutschiert...


"Der schwarz/weiße Fiaker"
Wien, Innenstadt

Bei ihm können Sie sich ja auch erkundigen, was "die Blaue" sei. "Heans, wohea wissn's denn dehs? Woan's in Grinzing?" wird er fragen. Und dann erklären, daß der Ausdruck merkwürdigerweise nicht vom "blau sein" komme, sondern von dem blauen Schild, das auf der letzten Straßenbahn des Tages hängt (In Grinzing ist's der "Achtunddreißiger". Wer den versäumt, darf per pedes heimwackeln...)


Wien, Grinzing, Pfarrkirche
(Beim Heimwackeln...)

Noch mehr Erklärungen? Wissen Sie was, schauen Sie sich doch eine "hochdeutschere" Textversion an, die ich da unlängst gefunden habe...

Und - ich weiß ja, wie gut Ihr Englisch ist! - sehen Sie sich doch meine Raunzereien auf der rechten Seite an. Vielleicht geben sie Ihnen etwas zu denken für den langen Weg von Grinzing in die Stadt...



LATER (MARCH 2010)


Herr Gerhard Tscheinig (inspiriert, wie er sagt, von meinen "Weana Haikus"), hat mir zwei bessere geschickt, die mir den Tag verschönt haben und die ich Ihnen schon aus diesem Grund nicht vorenthalten will. Weil sie hier dazupassen, zu der letzten Straßenbahn, zur "Blauen":


1. „De Blaue kummd scho.
Warad guad mia daglengan's.
Oida, zah ma oun!“

2. „Waun i ned gsogd hedd,
zaa aun, de letze Bim foaht,
mia heddn's glodd vasahmt.“

(© Gerhard Tscheinig)



Franz Prager
(Music: Viktor Korzhé):

Hey Buddy,
Stop it!

Yesterday, a friend of mine
took me for a glass of wine:
Schrammeln and Vienna airs
got us up from our lairs.
Later, in the final train
my good friend starts to complain
that such music will not last.
Well, I made him shut up fast:

Hey buddy, stop it!
This isn't right:
As long as we are,
forget your fright!
And when they throw us
into the pits,
already singing
are our kids!

Just ask the Good Lord
that he will bring
like sons to fathers,
who love to sing:
and then Vienna's
music and song
lasts till the world
stops spinning along!



Alas, again a song of anxiety at the passage of time, of the fear that the Viennese soul may not survive. Here, primarily and synecdochal, it is Vienna's musical tradition (we're not talking Schön- or Alban Berg, ok?) that's at stake. Viennese are known for their down-to-earth fascination with death - of body, primarily, but also of soul. Wine is a ready remedy and, as they say in Vienna, it "holds body and soul together". And this song, as you might have guessed, is for the Heurigen, i.e. for congregating and drinking and singing and philosophizing. Summa summarum, for body and soul.

Viennese are also prescient. And when wine, the gift of the Gods, dwells in them, they may even talk about it.

[Sorry for the interruption. I have to get myself a bottle "Gumpolds" (the wine from the volcanic soil of Gumpoldskirchen and the favorite libation of older Viennese). Please bear with me until it starts to work...]

Alright, let's stagger onto the soap box:

Wine frees the freedom of speech. Thus it was since the "good old times".

(Of course, these "good old times" were not "good" at all, merely deeper felt. Poverty, poor housing and city diseases saw to that. It is significant that some of the most innovative social support structures in the world were developed in Vienna. As was the case with certain musical structures.)

Viennese once were top dogs: musically, politically. Then they had their "Golden Autumn" (at the fin de siecle). Way back then, the world was better for it.

Nowadays Austrians are in the international doghouse. How do the Viennese feel about that, you ask?

Some simple and not-well-to-do ones have become bitter. Other, cleverer ones, have become publicly funded well-to-do-gooders - that is, they are doing well by doing good, as Tom Lehrer sings in his song about "The Old Dope Peddler". They have become members of the "Kulturmafia": self-serving promoters and providers of politically correct dross.

(I am periodically reminded of that by some of Vienna's "modern" or "international" opera and theater performances - but the problem, alack, has much deeper roots). So to hell with them:


"Höllensturz"
Vienna, Michaelerkirche

And then there are the "normal", the most typical Viennese, for whom another song's message, "once you're up, once you're down; once you're glad, once you're sad" still holds some meaning.

The success of art and culture is not decided by the quality of the art, at least not in the long run. It is decided by the mechanics of wars won and lost; of hegemony and globalization thereof; of political spin and commercial politics; of distribution and advertisement.

Too bad. Cultures grow and wilt, gain and lose according to laws of their own. And once a culture does no longer believe in its very own...


Vienna State Opera


By the way, Viennese are also collectively known as "Raunzer". No truer word was ever spoken. (The word can be roughly translated as "grumbler" or "complainer", but really characterizes a whole way of life.)

Even in emigrants. Particularly in emigrants. As, indubitably, you have discerned by now.

But I am sure you will understand: These are the typical Raunzereien (grumbling ruminations) of a veritable, venerable Viennese nursing a bottle of Gumpolds...


...


Theo Prosel:
(Musik: Ludwig Schmidseder)

I hab die
schönen Maderln
net erfunden

I hob di schönen Maderln net erfunden,
dea guade Wei is ah net mei Patent,
i bin ned schuid aun de gewissen Stunden,
wo ma foa Freid fosd aus da Haut foan kennt.

I hob die easte Geign net mochn lossn,
i heas nua fia mei Leb'n sofü gean;
und wem's net recht is, dea soi Trübsoi blohsn
und soi si bei dem Hean do ohm beschwean.





      Ich hab' ein Problem, charmante Leserin, verehrter Leser. Die rechte Seite diskutiert die Überlebenschancen des alten Wienerliedes. Welche Wiener Bilder könnten das denn illustrieren, oder zumindestens glaubwürdig begleiten?

      Bilder vom Heurigen, sagen Sie? Habe ich keine. Ich fühle mich unbehaglich, schuldig sogar, wenn ich in die Privatsphäre anderer Leute mit meiner Kamera eindringe. Und der Heurige ist Privatsphäre, auch wenn man nebeneinander sitzt...

      Dann vielleicht etwas den Zeitenwechsel betreffend? Das uns darauf hinweist, daß in schlechten Zeiten das gute Lied aufblüht und daß es ihm in guten Zeiten schlecht ergeht? So wie es auf der rechten Seite erwähnt wird, und wie es auch auf viele andere Gefühlsausdrücke - zum Beispiel künstlerische, religiöse, und zwischenmenschliche - zutrifft?

      Sagen wir die "U" (U-Bahn, Metro). Die den Wiener schnell und bequem überall hinbringt und die meist im zwei-Minuten Intervall läuft. Wunderbar. Viel schneller als jedes Auto.

      Steigen wir doch in die U-Bahn (oder die Bim oder den Bus) ein und vergleichen die Menschen dort mit jenen, na sagen wir, vor einem halben Jahrhundert. Nachkriegszeit. Eine schlimme Zeit. Hungersnot und Besatzung in einem Wien, von dem ein Drittel in Schutt und Asche lag.

      Die Menschen waren abgemagert und sorgengebeugt - aber sie redeten miteinander, sie machten Witze, sie lächelten und lachten sogar. Damals haben Menschen oft auch Wienerlieder gesungen oder vor sich hingesummt. Heute kann man sich das kaum mehr vorstellen. Heute sind die Wiener dicker (oder auch bulämisch), ein jeder so für sich schwer gestresst - und nach einem Lächeln oder einem Witz kann man lange suchen. Dabei ist Wien wieder aufgebaut und jedem geht es materiell um vieles besser.

      Naja, in meinen Bildern sehen sie die heutigen Wiener nicht. Sie wissen schon, Privatsphäre. Aber die Bim und den Bus und die U-Bahn zeige ich Ihnen gerne:


Straßenbahn ("Bim") nahe der Urania


Bus (mit Fiaker), Innenstadt


U-Bahn (Metro)


      Es wundert Sie, daß man die Untergrundbahn auch von oben sehen kann? Ja, das ist manchmal so. Und noch ärger: Die U-Bahn fährt auf den Geleisen der alten Stadtbahn, deren Trasse weit unter, aber für lange Strecken auch weit über Straßenniveau führt.

      In Wien behauptete Sigmund Freud, daß Untergründiges oft zu Tage trete und dann den Leuten über den Kopf wüchse. Hat er dabei an die Stadtbahn (heute: U-Bahn) gedacht? Zum Beispiel am wohlbekannten, sogenannten "Gürtel"strich?



Theo Prosel:
(Music: Ludwig Schmidseder)

It wasn't me
who made
the pretty girls

It wasn't me who made the pretty girls,
the tasty wine is none of my invent,
I had no say in how that hour unfurls
in which the joys of life are richly spent.

It wasn't me, who made the first of fiddles,
it's listening to them that I truly love:
but if you don't, go solve your cosmic riddles
and lodge a protest with the Lord above...



      Ludwig Schmidseder (a.k.a. Louis Fabro, 1904-1971) was German; Theo Prosel (1889-1955) was Viennese - and it shows.

      Here again is that seemingly worry-free pleasure*   of the moment, that dancing on the volcano. But closely underneath lurk some of the "big" questions of human existence. For what reason is the human made to enjoy, for what reason is the human made to suffer?

      Was pleasure made to lead us into temptation - or into enjoyment? Viennese had enough of troubles: they'll take enjoyment any old time. And if the others don't like it, then let them lodge a protest with "the Lord above", i.e. with the creator of joy (and pain)...

      And again surfaces the familiarity of the Viennese mit ihrem lieben Herrgott (roughly: with their good Lord and God). Which is one of those roundabout Viennese ways of saying that nobody knows who/what/whether God "is" - and, that being so, "He" might as well be Viennese. (In Sanskrit terms: The Viennese atman is braman - but only if it should take those New-Age enticement to get you to agree with me...)

      I am sure "He" would agree with me, though. After all, "His" pleasure we encounter first hand. It is we who read "His" scroll of life. But about "Sin" we read only in second-hand scriptures and are taught only by third-hand sources. So there...


*     Later and in a more realistic mood: Why is it that this "worry-free pleasure" of the Wienerlied still emanates from some of the most dire times for the Viennese?

      And, if the good days of the Wienerlied were indeed related to the bad times the population had, what chances does the Wienerlied have now that times are much better?

      That poor economic conditions produce escapist art is no news. The phantasy world of Broadway and Hollywood owed much to problems that faced the American people at the time. (That those classics are now highly regarded the world over, while the Wienerlied is treasured only by a select few - and considered corny, old-fashioned and politically incorrect by the cultural powers that be - that is quite a different matter.) So, will the Wienerlied survive and blossom again (without a nuclear war propping it up)?

      Sorry! There is still one thing I wanted to add. Many songs have been written and sung in Vienna since the haydays of the "Wienerlied", foremost among them some carbaret songs from after the Second World War and some songs from the "Liedermachern" (songwriters). Indeed, certain professional classifiers now consider these a "continuation" of the old traditions: similar in format, bleaker (they would say, more realistic) in content.

      Whatever the truth may be, it isn't my truth. And as for your truth, why don't you consult the text of (and my comments about) a "modern" Wienerlied - one of the gentler kind that, for me, stands between the time that went and the time that comes - and which I recently attempted to translate. This celebrated poem is Trude Marzik's "Untern Packpapier" ("Under the Cloth"; "Unterm Packpapier" in the Sowinetz version). And it does indeed have some of the hallmarks of the old Wienerlied. The Viennese preoccupation with death, with black-humored curiosity, with enjoying one's good food and drink, with fearing one's impending demise...

      What would Sigmung Freud have thought about all that? Is it all under the cloth now?

      Well, as I said before, you tell me...



Metro Station Volkstheater


Metro Station Opera (Exit)


Metro Station Opera (Toilet)

Sorry, got to go...


And sorry, that was below the belt. To make up for it: I just found out that that song has made it on YouTube, with one of the best - though not Viennese - tenor voices of the 20th century, that of Fritz Wunderlich. Enjoy!




Recently some colleagues, avid railroad buffs both, gave me the third degree re the Bim in Vienna. Was it really standard gauge? And which side of the road did it use? And were there recent developments or - preferable to them - were we still stuck somewhere between the World Wars?

I referred them to this page, which only prompted more questions. I stooped to google. And was rewarded. Why had I not thought of that? There's a museum for everything in Vienna. I started counting, just for the record, but when I had counted over one hundred museums I gave up. Of course, most of the museums I had never heard of. But indeed, here it was, the Vienna Tramway Museum.

I didn't investigate further, but I was sorely tempted to pick up the connection between Wienerlied and Transportation. There are several Viennese songs that deal with this theme, some quite charming. But, if you'll forgive me, I'll leave that to better informed aficionados to explore...



...


Ludwig Gruber:
(1864-1974)

Mei Muattal woa
a Weanarin

S'ist mia heut noch in Erinn'rung
ois wauns gehstan gwesn wea,
s'woa a schöna Sonntagmorgen,
do sogd s'Muattal: "Gschwind, kumm hea,
lohs das Gsichd und d'Handaln woschn,
lohs die Wuhkaln dia frisiahn,
hei wü i zum easten Moi dich
auf'n Kahlenberg nauf fian."

Drobn hods ma zeigt di Procht,
hod mi gschdreichlt und hod glocht,
hod gsogd: "Schau, da Stefansdom
und da blaue Donaustrom,
dieses Häusameah do drin
iss dei Heimatschdod, dei Wien,
bleib schdehds treu dem schönen Oat!
I hob ghoidn ah mei Woat...

Mei Muattal woa a Weanarin,
drum hohb i Wean so gean,
sie woas, di midm Lebn
mia di Liebe hod gebn
zu mein ahnzign, goidanan Wean.




      Sie finden, meine Schreibe wäre inkonsequent, weil ich die Worte "Wien", "Stephansdom", "Donaustrom" und "Liebe" auf hochdeutsch schrieb, aber den Rest so wie er ausgesprochen wird? Sie finden meine Schreibe noch schlimmer als gewöhnlich? Und bestimmt nicht die des Originals?

      Stimmt alles: Wiener sind nun einmal typisch inkonsequent. Und schreiben anders als sie sprechen. Und auch anders als sie singen. Zwar: Sie entdecken sofort jeden falschen Ton. Aber die Buchstaben selbst sind ihnen Blunz'n (Verzeihung: piep egal)!

      Wiener sprechen (und singen im Wienerlied) eine Mischung von Deutsch und Wienerisch - nach genauen Gesetzen, die sie intuitiv befolgen, aber nie definieren können. "S'kummt hoit drauf au", würden sie sagen...

      Worauf? Naja, manchmal schon auf den Reim, aber meistens auf den Sinn, auf die Betonung, auf das Milieu. Und der/die/das ist in jedem Satz verschieden, also müßte auch die Schreibweise verschieden sein. Und sie kommt auch darauf an, "wer-mit-wem" spricht.

      Kompliziert? Ja, das schon. Aber so zu schreiben, wie uns der Schnabel gewachsen ist, das, liebe gewaltige Deutschdeutsche, liebe wackere Schweizerdeutsche, würden Sie den Wienern doch nie durchgehen lassen, oder? Da würden Sie uns doch wieder sehr schnell ein neues Sprachreformbrettl auf Herz und Hirn zu nageln versuchen, oder nicht?

      Sehen Sie. Und daher schreiben die Wiener halt im Pidginwienerisch, so daß Sie, liebe von uns durch die gemeinsame Sprache unterschiedene Anrainer, es auch lesen können. Aber beim Sprechen und Singen - wie auch beim Wein - muß dann die Wahrheit heraus: Weh dem, der lügt!

      Alsdann, bittschön: So nahe am Hochdeutsch schreiben und so nahe am Wienerisch sprechen, wie es nur geht!

      Aber für mich? Bedenken Sie: Ich sitze hier im sicheren Kanada, nur von einem Vierterl Gumpolds und einem halben Gedächtnis bedroht. Beides alt aber mein. MEIN, MEIN, MEIN! Also schreibe ich wie gesprochen. Meistens.

      Und auch nicht ganz. Weil wir Wiener doch so nette Menschen sind. Wie bitte? Ein Beispiel? Naja, Sie wissen ja wahrscheinlich, daß Wienerisch verschiedene "a" Laute hat. Etwa das ganz reine, mittelalterliche "a", wie in "der Blaade" (mein Rufname in der "Blåsn"), und auch das "å" (das a mit der Blase drauf), das irgendwo zwischen a, o, au und sonstigen Urlauten liegt und den Umständen entsprechen auch zwischen ihnen herumwandern darf. Und von mir entsprechend verschieden geschrieben wird, meistens als "o" oder "au". Fahschdengans (mit zwei reinen "a"s)?

      Denn wenn ich Ihnen "å" oder sonstig Sprachwissenschaftliches hier unterschübe, würden Sie die schönen Gedichte ja gar nicht lesen. Stimmts? Und das wär schad. Und daher - weil Wiener nun einmal so nett sind, wie gesagt - habe ich mich sehr bemüht, Wienerisch rein in Ihrem Alphabet zu schreiben.

      Was noch? Ah so. Na ja. Eine "Blåsn" kann ein kleiner Verein sein oder eine Schulklasse oder auch eine Blåttn Jugendlicher im nächsten Beserlpark. Was eben so zusammenhält. Noch etwas? Was ein "Beserlpark" sei? Wissen Sie was: Kommen Sie doch nach Wien und gehen Sie in einem spazieren. Wenn Sie Glück haben - viel Glück - singt dort vielleicht sogar noch jemand ein Wienerlied. Und verändert es dabei, je nach Stimmung und Umständen...

      Was wäre schon ein Wienerlied, wenn's ein Wiener nicht verändern dürfte? Die alten Wiener haben ihre Lieder immer frei von der Leber weg verändert. Veränderung bedeutet ja nur, daß ein Organismus noch lebt. Veränderung beweist die andauernde Teilnahme des "Volks" am Volkslied - und der Wiener an dem dem echten Volkslied sehr nahestehenden Wienerlied. Veränderung beweist nur, daß das Wienerlied noch lebt, daß es noch nicht zur "Geschichte" geworden ist.

      Ach so, sie kommen mir mit DER Geschichte als Retourkutsche. Sie, da könnt' ich Ihnen Geschichten erzählen...

Ergo, summa summarum:
Geschichte = SUM [jahrzählende Geschichten]

      Ist Geschichte denn nicht die Hagiographie der Herrschenden, die untertänigst gebildete Legendenbildung der Gebildeten, das potemkinsche Dorf der politischen Korrektheit - alles schön aufbereitet und zum Konsum ausgebreitet vom vorauseilenden Gehorsam der zur Wahrheit gesponnenen Lüge? Wirklich nicht? Na, segnsas!

      [Aber ich gebe zu: Manchmal - aber leider nicht immer - kann die Lüge auch ein erzieherisches Mittel zur Verbesserung der politischen Manieren werden; "ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft". Wie meinen die Herrschaften? Na ja, ich meine, man muß sich dann auf einmal wirklich so benehmen, wie man es den andern immer aufgebunden hat. Die Angelsachsen nennen das "to be hoisted on one's own petard"; und die gute Mutter Natur benützt das, um die Moral weiter zu entwickeln. Aber verzeihen Sie bitte, ich ritt eines meiner Lieblingssteckenpferdchen und das Viech wich vom korrekten Wege ab...]

      Naja, macht auch nichts. Das Leben war immer so. Nur sagen darf man's halt nicht. Außer, wie gesagt, in Wien beim Wein. Trink' ma no a Flascherl...

      Und, werter Leser, charmante Leserin, weil wir schon so schön beisammensitzen, und weil Sie es sind, die danach fragen: Hier ist das (soweit ich weiß) Original dieses Wienerliedes (mit ein paar Tippfehlern, wie "Wikkerln" für "Wuckerln"); von einem der liebenswürdigsten Vertreter seines Faches gedichtet und komponiert...



Später (Jänner 2008)

      Ich war unlängst wieder in Wien beim Wein. Und dann sind wir über die Höhenstraße heimgefahren. So wie weiter unten auf der rechten Seite beschrieben. Sie können doch Englisch, oder?

      Und da fiel mir ein: Ich bin meiner Leserschaft noch immer ein Bild des Steffls (“Stefansdom” für unsere nördlicheren Nachbarn) schuldig: so wie ihn das Lied beschreibt. Naja, nicht so ganz. Ging leider nicht. Er ist ja jetzt verbunden und geschient, der alte Steffl. Nachdem er als Werbemast, als Litfaßsäule diente. Aber, “wenn der Steffl wieder wird, so wie er war…”

      Natürlich, ganz so wird der Blick auf den Stefansdom und die Innere Stadt, dieses “UN Kulturerbe”, nie wieder werden. Dafür sorgen schon die Kräne. Und sorgen noch immer. Schau’n Sie sich das einmal an, den Blick vom Belvedere auf den Stefansdom und den Kahlenberg (links im Hintergrund):


Wien, September 2007: Stefansdom und Innenstadt,
mit Kränen und Kahlenberg


      Und zurückgeblickt vom Leopoldsberg zum Steffl und dem Belvedere (links oben, in “halber Höhe” des Stefansturms):


Wien, Oktober 2007: Blick vom Leopoldsberg
auf die Wiener Innenstadt (mit umgebenden Bezirken)


      Ich soll meinem Tele noch einen weiteren Schubs geben? Naja, für Sie. Und für den invaliden Steffl:


Wien, Stefansdom (Belvedere links im Hintergrund)




Ludwig Gruber:
(1874-1964)

My Mother was
a Viennese

I can still the time remember,
like it was just yesteryear,
T'was a lovely Sunday morning
when my mother called: "Come here!
Let me wash your face and fingers,
let me comb your curly hair,
for the first time I shall take you
to Mount Kahlenberg up there."

To the top she took her child,
showed the splendors, stroked and smiled:
"See Saint Stephen down below,
watch the mighty Danube flow,
and the sea of houses there
is your home, Vienna fair:
Keep her always dear to you!"
I have kept my promise true...

My mother was a Viennese,
that's why I love this town.
It was she, who with birth
gave me love on this earth
for Vienna, which carries the crown.




      This left-bank mixture of High-German and Viennese - some words of one, some of the other ilk: occasionally for rhyme's sake, but mostly for color and emphasis, as is the Viennese's wont - this mixture is difficult to commit to page. One must listen very carefully, and mainly with the heart. Like to Erich Kunz.

      Traditionally, a Wienerlied is written as much in German and sung as much in Viennese as possible. It's nicer to sing and easier to read that way. But Viennese know by heart, of course, how to pronounce these words. And they detect the slightest deviation, particularly when perpetrated by a "German" (or, worse, a "Prussian"). No offence, dear Piefkes, just what comes with our much small territory...

      As you know by now, I try to work on my Wienerlied translations from memory, including the pronounciation. However, a much reader-friendlier version - and it is probably the original one, give or take a few typos - is available on the Web.

      Of course, the question may be asked why I am doing it this way, when there is ample historical evidence for a quite differently spelled "original". I am tempted to answer that I am doing it MY WAY. It's MY memory, right or wrong, right? But, honestly, there's more to it than that.

      In the time of the classical Wienerlied, people felt free to change words and/or melody, to invent new stanzas. (Even a Royal Habsburg Highness engaged in such an endeavor, in his case to woo a dark-haired beauty. But that relates to history more than to poetry...)

      Like living beings, as long as a folk song lives, it changes. That is a characteristic of life as well as of the oral tradition known as folk music - and it is something to cherish rather than to chide. No silly notions of historical correctness here! In most cases, historical correctness is simply a euphemism for politically correct fiction anyway. And, after all, it was the popular input that put the "folk" into folk music - and that keeps it there. It means that the creative spirit of the populace - the vox Dei, the voice of God Itself - is being heard. Even if it is echoing merely in my mellowing memory...




View of Vienna from the Belvedere,
with "Mount Kahlenberg" in the background

     This is the view opposite to that of the poem: from one of the Belvedere's motherly sphinxes toward the dominating spire of St. Stephen's cathedral on the right with its ridiculous giant poster (temporary, I hope) and, slightly to the left of it in the background, the Kahlenberg, where you might just make out the terrace of an old restaurant and a small church. This is where mother and child of the poem would have stood. Behind/right of St. Stephen and barely shown on this picture is the Leopoldsberg. (For a clearer version of this "colored pencil" version, check my Belvedere Album)

     From way up there, and straight through the fabled Vienna Woods and (perhaps, I am not sure) vineyards, the troops of the Polish king Jan Sobieski (together with various contingents of Bavarians, Franks, Saxons, Swabians and, of course, Austrians) stormed down in the year 1683 and "broke the siege of Vienna by 180,000 Turkish troops under the command of Grand Vizier Kara Mustafa, thereby preventing the islamization of central Europe". Or so the history books say...


      You want to see a picture of Vienna from the Kahlenberg as Ludwig Gruber saw it? That's a problem. Vienna is too big and too hazy: Take all and you won't see details, take details and you won't see the town. Memory is still my best camera, here and everywhere. Besides, its pictures improve with time. I hope yours do, too...

      But the customer is always right: I'll paste in a few related pictures (not mine) for your enjoyment. Perhaps a few old Viennese will be peeking over from the left side and enjoying them as well:


Vienna around 1966, as seen from the Kahlenberg, with the Danube (BLUE, did you notice?) and pieces of districts 2, 20, 22 and 19. Now, St. Stephen's cathedral and the Inner City and the Belvedere and all those other tourist goodies would have shown up on the right side, had the picture been broader. The "UNO City" and the "Danube Island" are situated on the left; unfortunately, they didn't yet exist in '66. But the vineyards are glowing in the setting sun, as they always have. Time to go to the Heurigen!


The Danube with Kahlenberg (left), Leopoldsberg (middle), and a traditional fisherman's net, around 1955.


Vienna around 1475, detail in black-and-white from a painting by the Meister des Schottenstiftes depicting the flight of the Holy Family into Egypt. Kahlenberg and Leopoldsberg are on the left, St. Stephens cathedral toward the right. (Sorry I couldn't find a good color file of that fascinating piece of art from a very, very different era.)




Later (Jan. 2008)

      You know, it bugged me that I couldn't offer you a current view from the Kahlenberg, just as the poem says. Yes, we Viennese live off our past, but we also live off our tourists. And what good is the view of a fun city with all the fun of 1475?

      But, fortunately, a few months ago I happened to be in Vienna again and, coming home one late afternoon from Klosterneuburg, we took the road through the Vienna Woods and made a stop at the Leopoldsberg. Why not the Kahlenberg, you ask? Well, the sun was setting rapidly and the two views are very similar, anyway. Plus I happen to like the one from the Leopoldsberg still a bit better. And, besides, the two hills had changed names in their past - one of them had even been called Sauberg (Sow's Mountain) for a while. Not to mention that "Mount Leopoldsberg" would have amounted to a prosodic monkey wrench in both Viennese and English.

      Anyway, here it is now, a picture of Vienna on the (still blue) Danube:


Vienna from the Leopoldsberg
October 7, 2007


      You are able to see "the sea of houses" and watch "the mighty Danube flow", as the translation says; but where is "Saint Stephen" (the "Stefansdom")? Well, you just have to look at the German side of this page and there, courtesy of my tele...

      Of course, you can also shudder at the new buildings that have sprung up on this "heritage" site. The vistas the crews of Bomber Harris haven't destroyed, the cranes of City Hall will. Or might: The Viennese are still fighting back...

      But, to be honest, I'd rather show these pictures on the left side and to the Viennese. So they keep on fighting...


...


Wilhelm Georg Wiesberg
(Bergamenter, 1850-1896)
(Musik: Johann Sioly, 1843-1911)

Das hat ka
Goethe gschrieb'n

Zua blond'n Rehsi sogt da Drexla Fraunz,
"Heast, Schatzal, i bin in di wualat gaunz,
geh, leg dei Handal in mei Brotzn nei
und in drei Woch'n wiast Du g'heirat sei!
Waun miara nix ois wiara Zimmal haum,
daun ruck ma hoit a bissal näha zaum:
Waun nua die Heaz'n schlog'n in Einigkeit,
dehs aundre gibt si mit da Zeit",
joh, joh...

Dehs hot ka Goethe gschrihm, dehs hot ka Schiller dicht',
is von kan Klassika, von kahn Genie;
dehs ihsa Weana dea zu ana Wean'rin schbricht
und's klingt hoit doch so volla Poesie....

Es bett a Kind, dehms Muattal kraunk wuan ihs,
"Du liaba Himmevota, wahsdas gwihs,
i bitt goa schön Di, oisa braves Kind,
geh loss mei Muattal wiada aufschdehn gschwind!
I gibda nocha heazlich gean dafia
mei Puppn und des gaunze Kuchlgschia,
wohs mia des Christkind furigs Joa hod brochd,
waunsd mia mei Muattal gsund hosd gmochd",
joh, joh...

Dehs hot ka Goethe gschrihm, dehs hot ka Schiller dicht',
is von kan Klassika, von kahn Genie;
dehs ihsa Weana Kind, dehs mit sein Heagott schbricht,
und's klingt hoit doch so volla Poesie....





      Sie stoßen sich schon wieder daran, daß ich einige Worte - Goethe, Schiller, Genie, doch - nicht phonetisch sondern Hochdeutsch schrieb? Naja, Goethe und Schiller sind Namen, nicht wahr? Würden Sie "Götte" und "Schilla" lesen wollen? Außerdem, zusammen mit Genie und auch doch, diese vier Worte werden in dem Lied (oder zumindestens von meinem Gedächtnis) absichtlich so nahe am Hochdeutsch gesungen, wie dies einem Wiener nur möglich ist. Weil das ja des Pudels, Verzeihung, des Refrains Kern ist...

      Und meine Phonetik könne auch niemand lesen? Naja, da haben Sie schon recht. Dafür schillert sie:

"Kaum ist das Wort dem Mund entfahren,
möcht' er's im Busen gern bewahren..."

     Und ich hab' ja auch selber Schwierigkeiten, meine eigene Schreibe zu lesen. Ich muß sie erst so langsam vor mich hersprechen. Und Sie sollten das auch tun...

     Aber warum dann nicht gleich in Deutsch, fragen Sie?

     Schauen Sie, schauen Sie:

     Sie können sich ja einen deutscheren (und ursprünglicheren) Text von Mario Herger's Wienerlieder Website abrufen, nicht? Ach, Sie wollen's noch deutscher? Sie, das könnte in die Hose gehn!

      Owa ( Bitteschön! Bittegleich! ) fia Eana turi ollas:

Zur blonden Therese sagt Franz, der Drechsler: "Höre zu, Liebling, ich bin nach Dir verrückt: Bitte, lege Dein Händchen in meine Pranke und in drei Wochen werde ich Dich heiraten! Wenn wir auch nur ein einziges, kleines Zimmer haben, dann rücken wir eben etwas näher zusammen: Solange unsere Herzen in Einigkeit schlagen, gibt sich alles andere mit der Zeit."
Jawohl, jawohl:

Das hat kein Goethe geschrieben, das hat kein Schiller gedichtet, das stammt von keinem Klassiker, von keinem Genie; das stammt von einem Wiener, der zu einer Wienerin spricht, aber trotzdem klingt es wie voll der holden Dichtkunst...

Ein Kind, dem die Mutter krank geworden ist, betet: "Du lieber Vater im Himmel, Du weißt es genau, ich bitte Dich sehr schön, als ein wohlerzogenes Kind, meine Mutter baldigst wieder aufstehen zu lassen! Ich gebe Dir nachher auch gerne meine Puppe dafür und das ganze Küchengeschirr, das mir das Christkind [?der Santa Klaus?] diesmal gebracht hat, wenn Du mir meine Mutter wieder gesund gemacht hast!"
Jawohl, jawohl...

Das hat kein Goethe geschrieben, das hat kein Schiller gedichtet, das stammt von keinem Klassiker, von keinem Genie; das stammt von einem Wiener Kind, das zu seinem Gotte spricht, aber trotzdem klingt es wie voll der holden Dichtkunst...




     Dafür muß ich Buße tun? Naja, überlegen wir uns einmal, wie. Wie wär's mit Josef Weinhebers "Leitspruch" zu seinem "Wien Wörtlich". Können Sie sich einen besseren Anwalt für das Wienerlied (und, so hoffe ich, auch für diese Webseite) vorstellen?

Josef Weinheber: Leitspruch

Ein årmer Dichter, wenig nur bekannt
der sågt sich, meine Weis ist überspannt,
bei dem Sonetten- und Terzinendreck
bleibt mir am End die ganze Kundschåft weg,
i setz mi hin und schreib auf wienerisch,
wås i so reden hör am Wirtshaustisch,
damit das Publikum der entern Gründ
hålt auch einmål sein Dichter findt, jå, jå:
Des håt ka(n) Goethe gschriebn, des håt ka(n) Schiller dicht',
is von kan Klassiker, von kan Genie,
des is a Weaner, der mit   u n s e r n   Göscherl spricht,
und segn S', erst   d e s   is für uns Poesie.




      Und, charmante Leserin, verehrter Leser, kommt Ihnen in den letzten fünf Zeilen vielleicht etwas bekannt vor?

      Ich soll nicht so blöd daherreden? Aber weil ich schon mit "bekannt" angefangen habe, wollen Sie mir endlich einmal etwas (hinein)sagen? Daß das Wien, das Sie unlängst gesehen haben, ganz und gar nicht mit dem Wien meiner Wienerliederweltwebseite übereinstimme?

      Touché. Es schmerzt, Madame! Aber Sie haben recht. Uns haum's hoit ins Hian gsch.... Weu's woah iss. Schauns Eana nua di Friednstaubaln do auf unsam Schrammegwoatett au - aum Oiszauwabrunnen - und daun wissns ollas!


Alszauber Brunnen (Schrammel Quartett)
Vienna, Hernals, Elterleinplatz


      Der Geburtsplatz des Wienerschnitzels und des europäischen Kaffeehauses, nun mit McDonalds und Starbucks Kultur aufgemascherlt. Dehs ihs kah Khafée, dehs ihsa Gaugáu!

      Aber ich brauche gar nicht das Wienerische zu bemühen. Wie sagt doch schon Ihr großer Dichter, Ihr "Gewissen der Nation":

"Nie sollt' ihr so tief sinken,
von dem Kakao, durch den man euch zieht,
auch noch zu trinken"

[und dafia in Klimts zoin, dät da auhgfressane ( = aufgebrachte) Weana dazua sogn].

      Aber schau'n Sie, gnä Frau, ich hab' ja schon früher einmal (bei den schönen Maderln nämlich) spekuliert, daß das "gute" Wienerlied vielleicht eine Folge der "schlechten" Zeiten war. Und heute sind die Zeiten halt gut und dem Wienerlied geht's schlecht. Aber das Wienerlied ist doch (auch) ein Gefühlsbarometer. Wollen Sie denn wirklich wieder Hochdruck haben über Wien?




Wilhelm Georg Wiesberg
(Bergamenter, 1850-1896)
(Music: Johann Sioly, 1843-1911)

This isn't
Goethe's Verse

The turner Frank explains to blond-haired Sue,
"See, Darling, I am crazy over you,
come put your hand into this paw of mine
and in three weeks you'll hear a wedding chime,
though we may live in but a one-room flat,
we'll stick together closer for all that,
as long as both our hearts together beat,
all other things will turn out neat",
yes, yes...

This isn't Goethe's verse, this isn't Schiller's word,
it's not from literature's society;
thus pleads a Viennese, who by his Love is heard
and yet it sounds like purest poetry.

A child prays for her mother, who is ill,
"Dear Father up there, if it is your will,
here asks a daughter, who's been always good,
let Mom recover quickly, if you would,
and I shall gladly give you in exchange
my doll and all my kitchen toys with range,
which Santa brought at Christmas - please, and then
make me my Mommy well again",
yes, yes...

This isn't Goethe's verse, this isn't Schiller's word,
it's not from literature's society;
thus pleads a Viennese, who by her God is heard,
and yet it sounds like purest poetry.



      I was wondering what photographs I could show you with this poem. Not monuments of Goethe and Schiller, you say?

      Alright, but let me assure you that Goethe und Schiller are still the mainstays of German literature in German, Swiss and Austrian highschools, and that Vienna - of course! - has monuments for both, as do many other cities. The Schiller monument, on the Schillerplatz just behind the Ring, is particularly imposing in front of the Academy of the Arts.

      You knew that Johann Wolfgang von Goethe and Friedrich Schiller were Germans and you were looking for their Austrian counterpart? Well, thanks, but...

      Fact of the matter is, the closest we come to a counterpart is Franz Grillparzer: I'll show you his monument in the Volksgarten:


Franz Grillparzer (1791-1872)
Vienna, Volksgarten

      By the way, Brindin's admirable website of translations from the German contains quite a bit of Grillparzer (plus much of Goethe and Schiller). On my own, fly-specked sized site I can only offer the exhausted autumn fly of Franz Seraphicus Grillparzer - without rhyme and, horribile dictu, also with...

      But this Wienerlied says no, no classical poets - so what should I show you? Let's go to the suburbs, then, specifically to the 17th district. Hernals has been immortalized more than once in poetry - an example can be found even on this website. But I am after something else there.

      In Hernals stands the Alszauber Fountain, with statues of the famed Viennese "Schrammel Quartet", which dwells in the very heart (dem "goldenen Wienerherz") of the traditional Viennese songs. Does it sometimes re-incarnate in the Viennese, too? I would hope so...



Alszauberbrunnen (Schrammelquartett)
Vienna, Hernals, Elterleinplatz



      By the way, if you'd like to see a bit more of the Alszauberbrunnen - or, in SM fashion, the ugly après-guerre buildings and the do-gooding doves of peace staining the beloved Brothers Schrammel, try this link.

      Incidentally, a "Schrammelquartett" (now a generic term) can vary a bit in the kind of instruments used, although violin, accordion and guitar are almost always present. But have a look for yourself...




A NOTE OF APPRECIATION:


      The suggestion to translate this poem came from Maria Klinger, a polyglot aficionada of the early Wienerlied. It was she who pushed me, with impeccable taste and tact, to translate this (friendly) Viennese dig at hallowed Goethe and Schiller.

      By the way, Josef Weinheber used the refrain of this Viennese song in his Leitspruch (a kind of explanatory prologue) to Wien Wörtlich (roughly: Vienna Literally), the most beloved book of poetry about Vienna.

      (This Leitspruch is reproduced on the left side, in case you are interested. It is, in essence, an assertion that the "common folk", i.e. the Viennese of the outer districts, deserve and appreciate poetry in their language, i.e., in Viennese.)

      Mille grazie, cara Maria!




ANOTHER NOTE OF APPRECIATION:


      I have just listened to this song on a CD published by ORF Radio Vienna and called "Zizerlweis" (meaning, very roughly, "puny bit by puny bit"). The singers are world-famous opera stars accompanied by the Philharmonia Schrammeln ("Philharmonia" as in Vienna Philharmonic Orchestra), but mood and language are as authentic Wienerlied as it comes. Just a bit smoother - but with the same feeling as if you were sitting out there in the vineyards, listening to an accordeon and talking with the Heurigen (new wine) about old times...

      The songs are taken from an old collection, the so-called Kremser Alben (the actual title is "Wiener Lieder und Tänze"). This three-volume compilation was started in 1911 by Eduard Kremser (1838-1914, a director of the prestigious Wiener Männergesangverein of classical fame) on a commission by the City of Vienna - a commission designed, as the municipal administration saw it at the time, to preserve the old Viennese culture in the face of onrushing Viennese modernity. Well, bless their hearts: What difference a century makes! Today they see it the other way around...

      "Zizerlweis" is the first CD of a 15-CD series in which, talk of modernity, each CD offers one or the other (but never many!) of the well-known goodies - remember, Vienna is first and foremost a beautiful and knowing woman! - together with, talk of Vienna, a large number of the lesser-known but most delightful and, as always, impeccably presented jewels.

      By the way, most of the lyrics I translated on this site are found - very evenly distributed! - among these Austrian Radio CD's. (Plus, as I know now, on several other Wienerlied albums, not to mention the marvellous and free on-line mp3 collection by Mario Herger: Properly ancient, perfectly authentic, highly appropiate!)

      How I got this CD? As an unexpected gift. I wasn't even aware of its existence until March 2009. A wise and caring class mate from highschool days - knowing of my desparate though doomed attempts to lure Wienerlieder into my Canadian net - sent it to me as a gift. I was touched: The wisdom and the understanding of people - and sometimes just their plain goodness - manifests most notably in the gifts they select for others. She could not have given me anything more suitable for weathering these trying times, nor anything more sentimentally satisfying! You call that escapism? Damn right: Stop the world, I want to get off (to the Heurigen, of course)!

A heartfelt
"Dankeschön",
dear Mui!


...


DAS ALLES ENTSCHULDIGENDE NACHWORT

      Meinen ehrlichen Dank, verehrter Leser, charmante Leserin, daß Sie mir trotz allem so weit gefolgt sind. Aber alles muß einmal ein Ende haben. Ja, alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei, wie wir Wiener sagen.

      Aber das ist auch schon Wurst, weil ich werde ja gar keine Entschuldigungen vorbringen. T'schuldigen vielmals, nichts für ungut: Auf Deutsch schenier ich mich halt zu sehr. Auf Englisch, naja, da tun Entschuldigungen nicht so weh. Auf Englisch darf ich ja (von meinem Kinderstubenkomplex unbestraft) sprachlich und auch sonst sündigen - und dafür, wie heute schon üblich, falsche Reue zeigen und echte Vergebung erlangen. Darum kommt meine Webseite ja auch auch aus Amerika zu Ihnen...

      Und - so gut wie Sie Englisch lesen - könnten Sie mir nicht bitte auf die rechte Seite folgen, wo ich gerade dabei bin - bittesehr, bittegleich - die wirkliche Entschuldigung zu tippen?

      G'schamster Diener, der Herr; küß die Hand, gnä' Frau - und ein echtes Wiener Servus! Sie beide und all die andern sind mir halt schon so ans Herz gewachsen...

      Und zur Buße für die Bissigkeiten der rechten Seite darf ich Ihnen noch ein paar Bilder zeigen: Meine Raunzernatur kann halt leere Seiten so viel schwer ausstehn. Fangen wir mit ein paar alten Bildern an - Gemälden, Radierungen, Photographien - die schön und halt manchmal ein bisserl sentimental sind, grad so wie das Wienerlied und das Wiener Gemüt:


Rudolf von Alt (1812-1905):
Stephansdom vom Stock-im-Eisen Platz
(Wien, Innere Stadt, 1832, Ausschnitt)



Stephansdom, Wien, Vorkriegszeit(?)
(Radierung von mir unbekanntem Maler)


Es sollte nicht dauern. Die mittelalterliche "Innere Stadt" Wiens wurde im zweiten Weltkrieg schwer bombardiert. Das Kirchenschiff des "Steffel" brannte aus, sein Lärchendach stürzte ein.


Wien 1945 (Kriegsende): Stephansdom, Kirchenschiff von oben


Wien 1945 (Kriegsende): Stephansdom vom Stock-im-Eisen Platz


Das Haus links ("Haas Haus") wurde zerstört. Nach dem Krieg wurde ein "modernes" Haus an seine Stelle gesetzt. Der Steffel hatte sich das nicht verdient...


Walter A. Aue: Ein Holler ("Unglaublich")
("Haas Haus", vom Stephansdom aus gesehen, 2003)
NB: "Holler" (von 'Holunder') heißt im Wiener Dialekt ein grober Unsinn.


Walter A. Aue: Der Steffel hat das nicht verdient!
(Haas Haus, den Stephansdom und anderes wiederspiegelnd)



Amadeus Dier: Alt Wien, Sylvesternacht auf dem Stephansplatz um 1840



Robert Kasimir: Wiener Staatsoper
Radierung, Nachkriegszeit(?)


Robert Kasimir: Grinzing
Radierung, Nachkriegszeit(?)




Genug von Wiener Nostalgie. Nur schnell noch drei Bilder aus dem Mostviertel (apropos der Dialektdiskussion auf der rechten Seite).


Walter A. Aue: Mostviertel
(An der "Moststraße" zwischen Waidhofen/Ybbs und St. Peter in der Au, 2007; im Vordergrund alte Birnbäume zum Mostmachen.)



Rothschildschloß, Waidhofen/Ybbs
Radierung, Nachkriegszeit(?)




Walter A. Aue: Wieder Holler
(Rothschildschloß, Waidhofen/Ybbs,
mit postmodernem Aufbauten, 2007)


"Schaff' lieber Dir ein Viertel Most an
und trink mit diesem Mittel Trost an!"




      Sollten Sie mehr Visuelles aus Wien sehen wollen, da gibt's nun eine "Flickr Collection", die ich erst 2011 zusammengestellt habe. Sie macht vielleicht, Aug' statt Ohr, manches klarer.

      Und, wenn Sie an Waidhofen/Ybbs interessiert sein sollten, da gibt's jetzt bei mir einen Flickr Set über diese schöne Stadt.



EPILOGICAL APOLOGY

      Thanks for following me that far. Yes, we are at an end: There will be no more Wienerlied translations and no more songs sounding from my soap box. All that remains for me is to ask you, the audience, "Are there any questions?"

      Indeed, you say - and a whole host of them! For instance? Well, for instance: Why did I subject the reader to my phony phonetics, i.e., my hellishly difficult-to-read spelling? Why did I not rather raid authentic sources, for instance the above-mentioned "Kremser Alben"? Why are there stanzas missing, why do some phrases sound so different from their original editions?

      Well, you see, that's what I am apologizing for in this Epilogue. I haven't been acting as a proper scientist (as I have to in daily life, where the chemical library is often my first point-of-call). Rather, I have been playing the little boy with his very own marbles, growing up again in Austria, hearing and - God forbid!, my mother would say - singing these unique Lieder. (Yes, yes, I know. But remember, Schubert was born and lived all his tragically short life in Vienna.)

      So I am trying to remember those Wienerlieder now with a brain that has shrunk during three quarters of a century to, most charitably measured, one quarter of its former capacity .

      Because it is MEMORY that's important to me. The sound of songs remembered. Songs my mother sang to me. And what's important is the authenticity of memory, not the authenticity of song. It's MY way or no way, folks! (That's what this continent taught me. Most un-Viennese!)

      Besides, Wienerlieder being (almost) folk songs, they may be and are being altered by folk out there and in here: No wonder there often exist several versions of the same song, not to mention various modulations of dialect.

      [There is, however, a certain understanding acceptance, a certain smiling-under-tears sentimentality, a certain live-and-let-live atmosphere to the genuine Wienerlied. And, by the way, in this context I happen to disagree strongly with current PC attempts to label the after-war cabaret songs of Qualtinger, Bronner, Martini, Wehle and Co. - much as I admire them as the best cabaret ever - as "Wienerlieder". Now, Trude Marzik might inch a bit closer to my vaguest-of-the-vague definition above...]

      But my strongest point re authenticity is a simple test that anyone can easily perform. Take the Viennese songs as sung, for instance, on the refined and redoubtable "Zizerlweis" CD and read the text (from the accompanying booklet) while listening to the singer(s).

      Do you recognize that enormous difference in pronunciation between the written and the spoken (here: sung) word? That is what we Austrians must do to be understood by the Swiss and perhaps also the Hungarians. In our interaction with the ROW ('RestOfTheWorld', to us mostly a ROWdy bunch), it is much worse. In their hearts the Germans envy and the Czechs hate us too much to understand; while the Americans are - well, let's say it charitably - misinformed. So our dichotomy of language is alright for being enough understood on one hand and being not too much understood on the other. For, as the Good Book says, the left hand shall not know what the right hand is doing.

      Thus it is that how we talk and how we sing differs greatly from how we write. Not to mention our audience-dependent split-second alternations between the yang of formal High-German and the yin of earthy Viennese dialect. You have to hear it to believe it. But once you hear it, communication becomes so much easier. Only beware: Once you do, you have become Viennese!

      So here was my problem. When I started the Wienerlied translations, I had no access to the old texts - frankly, I wasn't even aware of their existence. But I had my memory. That became my yardstick.

      (This is not so unusual for a Viennese. What is written nowadays about the Vienna of the 20th century differs so much from what the memory of the Viennese recalls that we hardly recognize the place. Or the time or the people. Hence we do the PC spiel in High German for the ROW - and we do the Truth in Viennese dialect, preferably while drinking wine with friends.)

      Perhaps I should not have started this venture. Wienerlieder are impossible to translate. You have to experience them. The difference is like between reading a sex manual and, well, the "thing itself" as Heidegger says.

      On the other hand, memory and hope are powerful motivators. And each writer/translator writes/translates only ever his/her own past/future...

      But there is one more sloppy Viennese compromise that I have to fess up to. In order to be authentic, will say to stay true to my memory, I had to write phonetic Viennese. Yes, I know, I have discussed the problem before, but I'll repeat the conclusion: I did not want to use the traditionally mangled High German, but I could not - for readability reasons, not to mention lack of proper training - use true phonetic symbols either. So I would write as close to the sound in my mind as possible, but remain within the confines of our common Western alphabet. If people wanted to hear the real sound, well, there were sources - and there was, of course, Vienna itself, the mother of all linguistics.

      One more problem, one more compromise: Vienna has many dialects and they cover a wide range from blue-blooded to red-blooded, from the "noble" districts to the boondocks. The dialect of my memory is not "noble": it is that of the street where we youngsters used to play.

      Plus I may justly be accused of adding just a tinge of dialect from the Mostviertel (a region of Lower Austria where people are reputed to drink a lot of "Most" - a type of hard cider (Lat: mustum) from wild pears and apples, cultivated in this region since at least the times of the Romans - and, as the Viennese maliciously claim, it shows. [There even exists a 500+ pages thick "Mostviertler Lexikon", i.e. a dictionary of the Mostviertel dialect, self-published by Josef Tatzberger.]

      I mention the beautiful Mostviertel and its dialect because it was there, in medieval Waidhofen on the Ybbs, that I received most of my highschool education, for which I am exceedingly grateful. (And blessed be the memory of Waidhofen's lovely countenance - before barbaric architects raped and covered her with post-modern make-up. For a picture of the Mostviertel, as well as before-and-after-the-rape images of Waidhofen's Rothschildschloß, check farther on down the left bank.)

      Now add to these two dialects off the respective streets the fact that my memory may be spurious; or that I possibly never even heard the whole historic text of a particular song; or that my mother was off lyrics (she was never off pitch); or that my Homo ludens genes did, once again, furtively engage in that age-old, evolution-sanctioned con job of running counterfeit memory tracks right through my brain... well, you see my problem. Mea maxima culpa - but, then, I am at least aware of such things...

      So, lyrics and phonetics on this webpage are mostly memory. MY memory, right or wrong. Which I am proud of. And for which, as a true Viennese, I am obliged to apologize all around, all the time So here I stand, I can do no other, may God help me, Amen!

      Well, that should answer all your questions, although perhaps not quite the way you expected. And that's all for today, folks! Go and do likewise!




      But, if interested, you may consider changing from verbal to visual. The message is pretty much the same - how could it be otherwise? - but only in 2011 did I get to combine most of my Vienna photos in a Flickr "collection". Have a look at them. Vienna is well worth it - and only if you "understand" Vienna can you understand Viennese song.

      And, by the way, should you be interested in seeing more of Waidhofen and der Ybbs, try my Flickr set of that name. One can't quite understand Vienna if one does not understand the province (Lower Austria) in which it is located and which nourishes it.


...



To: Photographies of Vienna:

    Vienna Tourist (2003)

    Various Flickr "Sets" about Vienna, with more to follow

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First posted: February 2007
Last updated: June 2011

N.B.: The frame around the poems shows
a butterfly in our garden, feeding on (fake) lilac.

Want to see the original photograph?